Deutscher Gewerkschaftsbund

17.09.2018

Hass und Hetze? Da gibt es nur eins: Sagt Nein!

600 Bürgerinnen und Bürger drängelten sich am Sonnabend zwischen die Wochenmarktstände auf dem Husumer Marktplatz, um gegen Rassismus, für Menschenrechte und Vielfalt zu demonstrieren. Der Aufforderung der Veranstalter „Kommt bunt!“ folgten einige bis in die Haarspitzen, die sie in allen Farben des Regenbogens gefärbt hatten. Für genügend Lautstärke und Schwung sorgten die „Brazil Beatz“, SchülerInnen der TSS mit ihren Trommeln und Percussion. Zu der Kundgebung hatten das Bunte Bündnis für Nordfriesland, SPD, Grüne, SSW, die AWO, der DGB und andere eingeladen.

Haltung zeigen für eine offene Gesellschaft, die vor Hass und Vorurteilen nicht zurückweicht – das forderten alle RednerInnen an diesem Tag ein. Allen voran Uwe Schmitz, der stolz ist, Bürgermeister in dieser Stadt mit diesen Menschen zu sein, die sich friedlich aber entschieden gegen Rassismus und Hetze stellen. Er betonte aber auch: „Wir dürfen nicht eine Stadt oder einen ganzen Landstrich verdammen, nur weil sich einige Irre nicht benehmen können“. Wie die Veranstalter sieht auch er die Kundgebung als vorbeugende Maßnahme und als Zeichen der Solidarität mit denjenigen, die in Chemnitz und anderen Brennpunkten gegen Hass und Hetze Zeichen setzen.

Der stellvertretende Landrat des Kreises, Carsten F. Sörensen, wies auf die vielfältige Kultur Nordfrieslands mit vielen Sprachen und Dialekten hin. „Da kriegt niemand so schnell Angstzustände, wenn in der Nachbarschaft etwas anderes als Hochdeutsch gesprochen wird“. Er dankte den vielen ehrenamtlichen HelferInnen und der Migrationsberatung beim Kreis, die Flüchtlinge in Nordfriesland im Alltag unterstützen und bei der Integration helfen. „Wir pflegen hier im Kreis eine gelebte Willkommenskultur“.

Der Ökumene-Beauftragte der Kirchen in Nordfriesland, Karsten Wolff, begeisterte das Publikum mit einer neuen Interpretation der Erzählung „Dann gibt es nur eins!“ von Wolfgang Borchert: Wenn sie heute sagen, das Boot sei voll, oder das christliche Abendland sei bedroht, weil einige Frauen Kopftuch tragen, oder Volksverhetzung sei durch Meinungsfreiheit gedeckt oder Molotow-Cocktails werfen sei nur ein dummer-Jungen-Streich – dann gibt es nur eins: Sagt NEIN!

Andere Redner gingen auf die verschiedenen Fluchtursachen ein, nicht nur Krieg, sondern auch ausbeuterische Wirtschaft, die ganze Lebensräume zerstöre seien verantwortlich dafür, dass aktuell fast 68 Millionen Menschen auf der Flucht sind, die Hälfte davon Kinder. Es gelte, Fluchtursachen zu bekämpfen und Waffenexporte in Kriegsgebiete zu stoppen. „Wir müssen für ein menschenwürdiges Leben sorgen, für Teilhabe und Integration“. Jusos und Grüne Jugend sehen in der Husumer Kundgebung auch einen Weckruf an die schweigende Mehrheit in der Bevölkerung, Rassismus und Hetze aktiv zu begegnen. Denn: „Wir sind bunt, wir sind laut – wir sind mehr!“

Britta Pohns von den Grünen und Mathias Wötzel vom DGB dankten den Bündnispartnern, die sehr kurzfristig die Kundgebung organisiert haben. „Wir hatten nur ein paar Tage für die Vorbereitung und freuen uns deshalb besonders, dass so viele Bürgerinnen und Bürger im Husum für Menschenrechte und Vielfalt auf die Straße gehen.“


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