Deutscher Gewerkschaftsbund

22.02.2017

Arbeiten in Schleswig-Holsteins Schlachthöfen

 

Viel zu lange Arbeitszeiten, ausbleibende Lohnzahlungen, schwere Arbeit, miese Unterkünfte - all diese Stichworte beschreiben nur unzureichend die teils katastrophalen Arbeits- und Lebenssituationen von ArbeitnehmerInnen mitten unter uns. Auch Schleswig-Holsteins Schlachtindustrie bricht an vielen Punkten geltendes Arbeitsrecht. Genauer gesagt: Danish Crown (Husum), Tönnies (Kellinghusen) und Vion (Bad Bramstedt) lassen zu, dass auf ihrem Gelände die Rechte unserer zumeist rumänischen KollegInnen mit Füßen getreten werden. Denn geschlachtet wird nur noch in den seltensten Fällen selbst: Subunternehmer erledigen das Geschäft. Stammbelegschaften wurden schon seit Jahren geschrumpft, Verantwortung outgesourct. Bei Danish Crown in Husum gibt es nur noch rund 30 Stammbeschäftigte - unter ca. 200 auf dem Gelände tätigen ArbeitnehmerInnen.

Seit mehr als zwei Jahren bemüht sich der DGB Kreisverband Nordfriesland in Husum zusammen mit der NGG um die rumänischen KollegInnen: In vielfältigen Gesprächen und auch in direkten Verhandlungen mit der dortigen Geschäftsleitung. Einige Verbesserungen konnten wir erreichen - allerdings selten dauerhaft. Wir bleiben dran. Und auch in Kellinghusen geht es weiter - für bessere Unterkünfte und Arbeitsbedingungen.

Dabei brauchen wir dringend politische Unterstützung - viel zu lange war die Situation in der Schlachtindustrie außerhalb des Blickwinkels politischer Akteure. Das gilt für alle Ebenen: Kommunen, Landkreise, das Land. Eine Landtagsanhörung im Januar 2017 hat hier einen ersten Schritt gebracht, das Thema auf der politischen Tagesordnung zu verankern. In den Stellungnahmen, die wir hierzu verfasst haben, findet ihr viele Informationen über die konkreten Lebens- und Arbeitsbedingungen:

 

 

Alle schriftlichen Stellungnahmen, also auch die der Arbeitgeber, der Verbände, Kirchen - findet ihr hier.

Eine unserer zentralen Forderungen ist dabei ein Verfahrensvorschlag: Um die Einhaltung von Arbeits- und Unterkunftsstandards zu veranlassen, zu begleiten und zu überprüfen brauchen wir einen kontinuierlichen Branchendialog mit der Schlachtindustrie auf Landesebene unter Beteiligung von Arbeitgebern, Gewerkschaften, Beratungsstellen und Kontrollinstitutionen, wie Zoll und das Landesamt für Arbeitsschutz. Die Lebens- und Arbeitssituation unserer KollegInnen in der Schlachtindustrie muss dringend ans Licht und bedarf des politischen Drucks auf die Konzerne und Betriebsleitungen. 

 

Dazu gehört auch die schnell nötige Verbesserung der Unterbringungssituation der KollegInnen. Die Fotos unten hat Tobias Klaassen in Kellinghusen aufgenommen. Ihr könnt sicher sein: die Fotos könnten auch in den vielen Unterkünften rund um Husum und Bad Bramstedt gemacht worden sein. Und ihr könnt sicher sein: es geht - auch wenn man es kaum glauben mag - auch noch schlimmer.

 

TK

Tobias Klaassen

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Tobias Klaassen

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