Deutscher Gewerkschaftsbund

03.09.2018

Arbeiten auf dem Schlachthof - Deutschland ist Billiglohnland

Rappelvoll war die Husumer Marienkirche, 160 BürgerInnen waren gekommen, um sich über die Arbeitsbedingungen auf dem Husumer Schlachthof zu informieren.  Und die sind hart: Akkordarbeit in 12-Stunden-Schichten, niemals einen 8-Stunden-Tag, spontan angeordnete Überstunden, keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Unterbringung in Mehrbettzimmern. Geleistet wird die Arbeit von überwiegend rumänischen Beschäftigten in Werkverträgen, denn der Schlachthofbetreiber Danish Crown hat die Dienstleistungen ausgelagert und kauft sie komplett von Subunternehmen ein.

Seit der Auftaktveranstaltung im Februar des Jahres setzen sich der DGB Nordwest, das Christian-Jensen-Kolleg, NGG, KDA, Kolping Husum, die katholische Gemeinde St. Ansgar und die evangelische Kirchengemeinde St. Marien gemeinsam für eine Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen auf den Schlachthöfen ein. Nun hatten sie zur Info-Veranstaltung nach Husum eingeladen, zu der auch der Geschäftsführer Dirk Hartmann und der Pressesprecher Jens Hansen von Danish Crown gekommen waren.

Dass sich Danish Crown als Betreiber des Schlachthofes der öffentlichen Diskussion stellt, fand DGB-Geschäftsführerin Susanne Uhl durchaus bemerkenswert. „Seit fast vier Jahren sind wir im Gespräch mit Danish Crown, es bewegt sich kaum etwas, die Arbeitsbedingungen sind nach wie vor unzumutbar“, beklagt sich Uhl. Die Rumänin Patrizia Lazau bestätigt das. Sie hat zwei Jahre mit einem Werkvertrag auf dem Husumer Schlachthof gearbeitet: „Nach 12 Stunden Arbeit hatte ich keine Kraft mehr, nach der Schicht noch etwas zu machen“, sagt sie. Dabei wollte sie einen Deutschkurs bei der VHS belegen, in Husum heimisch werden. Die 25-jährige kündigte, lernte deutsch, macht jetzt eine Ausbildung - und hilft ihren Landsleuten beim Zurechtkommen in der Fremde und beim Übersetzen.

Das tun auch Helga Zichner von der Beratungsstelle „Faire Mobilität“ und Finn Petersen von der NGG. Beide berichteten von ihrer Arbeit mit rumänischen Schlachthof-Beschäftigten und ständigen Verstößen gegen gesetzliche Bestimmungen.

Susanne Uhl wies auf die 2015 abgeschlossene Selbstverpflichtung der Fleischindustrie hin. Die Unternehmen – wie Danish Crown - verpflichten sich zum Beispiel ihre Stammbelegschaft zu erhöhen. Gerade arbeiten nur noch ca. 35 Festangestellte im Husumer Schlachthof, alle anderen rund 150 Beschäftigten arbeiten für einen Subunternehmer, der von Danish Crown im Werkvertrag angeheuert ist und der seine Arbeitnehmer heute hier und morgen da einsetzen kann. „Ewig lange Arbeitszeiten und keine Sicherheit in Husum bleiben zu können – wie soll man da heimisch werden?“ fragt Susanne Uhl und fordert Deutschkurse und Maßnahmen für eine bessere Integration der ausländischen Arbeitnehmer. „Nichts davon wird hier vor Ort umgesetzt, im Gegenteil, die Menschen werden durch die schwere Arbeit ausgebeutet und verschlissen – ohne jede Chance die Sprache zu lernen oder am sozialen Leben teilzuhaben“, kritisiert Uhl.

Danish Crown-Geschäftsführer Dirk Hartmann erklärt dazu, dass sein Unternehmen sich an die Selbstverpflichtung gebunden fühle, aber keinen Einfluss auf die Arbeits- und Lebensumstände der Werkvertragsbeschäftigten nehmen könne. „Damit würden wir geltendes Recht verletzen, aber wir haben einen unabhängigen Wirtschaftsprüfer mit der Kontrolle beauftragt“, so Hartmann. Danish Crown habe Interesse daran, die Arbeitsbedingungen zu verbessern, könne das aus marktpolitischen Gründen jedoch nicht allein schaffen. „Ich fände einen Runden Tisch gut, an dem auch die Stadt und die beteiligten Institutionen sitzen, um den begonnenen Dialog fortzuführen“. Jim Jensen von der dänischen Gewerkschaft NNF weist darauf hin, dass die Mehrzahl der Beschäftigten auf den Schlachthöfen in Dänemark, dem Stammland von Danish Crown, fest angestellt sind und ordentlich bezahlt werden. „Aber durch die Verlagerung der Produktion nach Deutschland haben wir rund 10.000 Arbeitsplätze verloren“.

Den deutlichen Lohnunterschied zwischen den beiden Ländern bestätigt auch der Pressesprecher von Danish Crown, Jens Hansen. Deutschland ist für ihn ein Billiglohnland. Die Angleichung an dänische Standards wäre ein erheblicher Wettbewerbsnachteil. „Wir halten uns an die Gesetze, aber wenn die Rahmenbedingungen sich ändern sollten, ist der Standort Husum für uns möglicherweise nicht mehr interessant“, sagt Hansen.

Nach zwei Stunden und vielen Fragen aus dem Publikum, beschloss Moderator Friedemann Magaard die Veranstaltung mit der Ankündigung im Gespräch zu bleiben. „Wir bleiben dran“.


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