Deutscher Gewerkschaftsbund

06.01.2017

"Facts don't matter!" - Amerika hat gewählt

Amerika hat gewählt: der neue Präsident – Donald Trump – wird am 20. Januar in Washington vereidigt. Gerechnet hatte mit diesem Ergebnis kaum jemand, denn Trump hatte seinen Wahlkampf mit Beleidigungen, Unkenntnis und Unterstellungen geführt. Viele fragen sich nun, was da in Amerika passiert ist. Bobby Winkler aus Flensburg – in New York geboren und aufgewachsen, gab Antworten darauf. Sie begleitet seit Jahren die US-Wahlkämpfe in ihrer Heimatstadt und war auch diesmal vor Ort dabei.

„Hillary Clinton hat 2,8 Millionen Stimmen mehr bekommen als Donald Trump. Ihm ist es aber gelungen, die wichtigen „Swing States“, die nicht klar auf demokratisch oder republikanisch ausgerichtet sind, zu gewinnen“, stellt Bobby Winkler fest. Dazu gehören Iowa, Florida, Ohio, Pennsylvania und Wisconsin. Mit seinem Sieg dort hat Trump die Mehrheit von 306 Wahlmännern hinter sich bringen können, während Clinton nur 232 erringen konnte. Präsident Obama hatte diese Staaten sowohl 2008 als auch 2012 noch für sich und die Demokraten gewinnen können.

Bobby Winkler hatte eine Reihe von Statistiken mitgebracht und konnte so nachvollziehbar machen, wer in den USA wie gewählt hat. Donald Trump hat in ländlichen Regionen Punkte gemacht, seine stärkste Unterstützung kommt aus Landkreisen des Mittelwestens, wo Weiße ohne Hochschulausbildung in der Mehrheit sind. Hillary Clinton konnte zwar in ihren Hochburgen, den städtischen Ballungsräumen, Zugewinne verzeichnen, jedoch nicht in kleineren Städten und auf dem Land oder in den Industriegürteln. Die wären aber für ihren Sieg notwendig gewesen. Und auch von Gewerkschaftsmitgliedern fehlten ihr die Stimmen, obwohl die Führung zu ihrer Wahl aufgerufen hatte. „Make America great again“ und eine gehörige Portion Nationalismus - das hat wohl besonders in den Industrieregionen gewirkt, in denen Arbeitsplätze – nicht nur durch Globalisierung verloren gegangen, sondern der allgemeinen Rationalisierung zum Opfer gefallen sind

Auch eine Wechselstimmung gab es in Amerika, die die Demokraten möglicherweise unterschätzt haben, oder die Trump mit seiner Kampagne gegen das Establishment geschürt hat. Darüber gibt die Frage nach den wichtigsten Qualitäten der beiden Kandidaten Auskunft: Während Hillary Clinton mit 90 Prozent Zustimmung bei politischer Erfahrung deutlich vorne liegt (Trump 8 Prozent), und bei Urteilsvermögen mit 66 Prozent punkten kann (Trump 26 Prozent) – wird es bei der Frage „Kümmert sich um Leute wie mich“ schon etwas enger: Clinton: 58 Prozent, Trump: 35 Prozent. Die Frage, wer den erforderlichen Wechsel in der Politik schaffen kann, geht jedoch mit 86 Prozent Zustimmung an Trump (Clinton 14 Prozent). Da stellt sich die Frage, ob Bernie Sanders vielleicht doch der bessere Kandidat für die Demokraten gewesen wäre. „Nein, der hätte es auch nicht geschafft“, ist Bobby Winkler überzeugt.

Immer wieder muss die New Yorkerin auch die Frage nach der Rolle der Medien in den USA beantworten, in denen Sachthemen kaum eine Chance hatten. Sendungen wurden aber ständig unterbrochen von Twitter-Meldungen, Beleidigungen oder Hotel-Einweihungen des Kandidaten Trump. „Die Medien in den USA sind privatisiert und da wird gesendet, was Quote bringt“, beschreibt Bobby Winkler die Situation. „Facts don’t matter!“ hat diesen Wahlkampf bestimmt.

Die Bedeutung der sozialen Medien, der kurzen Tweets und der Sprachkultur gilt es zu bewerten. „Das werden wir in einer weiteren Veranstaltung, auch mit einem Ausblick auf Konsequenzen der amerikanischen Wahl auf die bei uns in diesem Jahr bei uns anstehenden Wahlkämpfe tun“, versprach DGB-Geschäftsführerin Susanne Uhl.

 

Hier geht’s zu den Statistiken der New York Times

 


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