Deutscher Gewerkschaftsbund

23.01.2018
DGB-Diskussion über soziale Medien und "Lügenpresse"

Transparenz einfordern und Medienkompetenz stärken

Die Bedeutung traditioneller Nachrichtenmedien zugunsten von sozialen Medien schwindet. Zu dieser Einschätzung könnte man durch aufgeregte Debatten über die Wirkung von facebook und Co. kommen. „Aus wissenschaftlicher Sicht kann ich das nicht bestätigen“, sagt Professor Dr. Katharina Kleinen-von Königslöw. Sie hat für eine Studie BürgerInnen befragt und dabei festgestellt, dass auch in sozialen Netzwerken Artikel von traditionellen Qualitätsmedien eher ausgewählt werden. Die Kommunikationswissenschaftlerin von der Uni Hamburg diskutierte auf Einladung des DGB Schleswig-Holstein Nordwest in Tönning mit rund 50 Teilnehmern über veränderte Mediennutzung, „Lügenpresse“ und „fake-news“.

Tageszeitungen und Fernsehen für die Mehrzahl der BundesbürgerInnen immer noch die wichtigsten Nachrichtenquellen, auch wenn die indirekte Nutzung von Nachrichtenmedien über Suchmaschinen, soziale Netzwerke und Nachrichtenaggregatoren (z.B. bei Freemailern wie web.de) zugenommen habe. Beruhigt zurücklehnen könne man sich aber nicht, so Kleinen-von Königslöw. „Denn bei der indirekten Nutzung wird es immer schwieriger zu unterscheiden, was Qualitätsjournalismus ist“, sagt sie. Man gelangt zu einer Vielzahl unbekannter Quellen, deren journalistische Qualität wir auf die Schnelle gar nicht einschätzen können. Falschmeldungen halten sich lange im Netz, weil es keine Datumsangabe gibt. Empfehlungen und „likes“ täuschen vermeintliche Glaubwürdigkeit vor. Auch intransparente Algorithmen und Link-Fabriken, die mit emotionalisierenden Politik-Nachrichten hohe Klick-Zahlen für Werbung akquirieren, entscheiden mit darüber, was dem Leser angeboten wird.

Als Beispiel nannte sie das von Exil-Chinesen betriebene Online-Nachrichtenportal Epoch Times, das seriös daherkommt, aber im Wesentlichen Agenturmeldungen reißerisch aufmacht. Dadurch werden hohe Klickzahlen erzielt und viel Geld verdient. „Nutzer müssen selbst aktiv werden, um „fake-news“ entlarven und seriöse Nachrichten erkennen zu können. „Medienkompetenz zu vermitteln wird also immer wichtiger“, erläutert Kleinen-von Königslöw.

Meinungsmacht geht allerdings nicht – wie von vielen befürchtet - mit hohen Klickzahlen in sozialen Medien einher. „Meinung und Haltung werden immer noch stark durch Sozialisation, Freunde, Arbeit geprägt und weniger durch die Medien“, stellt die Kommunikationswissenschaftlerin fest. Deshalb regt sie an, aus der aufgeregten Debatte das Tempo zu nehmen. „Die Angst vor fake-news ist größer als die fake-news selbst. Über Falschmeldungen sparsam berichten, entschiedene Gegenbotschaften senden und zu kritischer Haltung anregen – das ist besser als schräge Beiträge im Netz ständig zu kommentieren und weiter zu leiten“, empfiehlt sie.

Für DGB-Geschäftsführerin Susanne Uhl steht fest, dass soziale Medien heute nicht mehr nur Vermittlerplattform sind: „sie haben große Bedeutung für die öffentliche Debatte. Deshalb müssen sie endlich verpflichtet werden, die Kriterien ihrer Algorithmen transparent zu machen und Verantwortung für die Inhalte zu übernehmen“.

 


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