Deutscher Gewerkschaftsbund

27.10.2016

"Outgesourct" - Werkverträge in der Region

DGB zu Leiharbeit und Werkverträgen

Werkverträge gehören schon lange zum Arbeitsleben. Architekten, Handwerker, Baufirmen – sie alle sind Beispiele dafür. Sie werden von Privaten oder Unternehmen engagiert, um ein spezielles Gewerk mit ihrer Fachkunde zu planen, das Bauwerk in Eigenregie und auf eigenes Risiko mit eigenen Arbeitnehmern zu erstellen. Auch dass Reinigungsdienstleistungen heute kaum noch von Beschäftigten des eigenen Unternehmens, sondern von Werkauftragnehmern erfüllt werden, ist mittlerweile eine kaum noch beklagte Tatsache.

„Seit einigen Jahren aber werden Werkverträge zunehmend missbraucht“ schildert DGB-Geschäftsführerin Susanne Uhl auf einer Veranstaltung in Flensburg. Ganze Abteilungen werden aus einem Unternehmen ausgegliedert, deren bisherige Aufgaben werden von Fremdfirmen erbracht. „Das geht so weit, dass in manchen Unternehmen noch nicht einmal mehr 20 Prozent der Beschäftigten zur sogenannten Stammbelegschaft gehören“, so Uhl. An einigen Beispielen aus der Region – der Schlachterei Danish Crown in Husum, der Flensburger Schiffbaugesellschaft, der Flensburger Firma Compact und der ehemaligen Druckerei Prinovis in Itzehoe schilderte sie, was dies sowohl für Beschäftigte in Werkverträgen als auch für die verbliebenen Stammbeschäftigten bedeutet.

Denn obwohl die Werkvertrags-Arbeitnehmer teilweise jahrelang in den Unternehmen der Auftraggeber arbeiten, haben sie keinerlei Mitbestimmungsrechte. In einzelnen Unternehmen – so dokumentiert im Falle von Prinovis – machen vier Leute zu unterschiedlich hohen Löhnen dieselbe Arbeit: Stammbeschäftigte bekommen Tariflohn, Kollegen in der hauseigenen, aber ausgegliederten, Service-Gesellschaft verdienen pro Stunde deutlich weniger, weil tariflos, Leiharbeitnehmer bekommen den Leiharbeits-Mindestlohn mit einem kleinen Aufschlag, Kollegen im Werkvertrag den gesetzlichen Mindestlohn. Die Spanne für dieselbe Arbeit beträgt so fast 8 Euro in der Stunde, die der Werkvertragsarbeitnehmer für dieselbe Arbeit weniger verdient – das ist knapp die Hälfte.

Aber es gibt, so Uhl, noch viele weitere Probleme. So verlagert das Unternehmen, das den Werkvertrag vergibt, die Verantwortung für die Einhaltung von Arbeitsschutzgesetzen mit aus und weiß häufig noch nicht einmal, wer sich auf seinem Werksgelände aufhält: Subunternehmer geben Aufträge und damit Verantwortung einfach weiter. So entstehen Subunternehmerketten, auf Kosten der Gesundheit und der körperlichen Unversehrtheit von Arbeitnehmern, beschreibt Uhl. „Es werden massiv Überstunden gemacht, die nicht vergütet werden und jegliche gesetzlich erlaubte Arbeitszeit sprengen. Arbeitnehmer werden als rechtlose Manövriermasse benutzt.“

Grund genug für politischen Handlungsbedarf, findet der DGB. Stichworte sind gleicher Lohn für gleiche Arbeit, die Begrenzung von Subunternehmerketten, eine grundsätzliche Generalunternehmerhaftung, die den Auftraggeber verantwortlich macht für die Einhaltung von Arbeitsrecht und Arbeitsschutz auf seinem Firmengelände, mehr Personal für die Prüfbehörden Zoll, Arbeitsschutz- und Gewerbeaufsichtsämter, und klare gesetzliche Regeln, wann ein Werkvertrag ein wirklicher Werkvertrag ist und wann nicht.

„Vieles von dem was wirklich nötig wäre, regelt der jetzt vorliegende Gesetzentwurf zu Leiharbeit und Werkverträge nicht. Er macht lediglich einige wenige Korrekturen. Und selbst diese werden von der bayrischen CSU noch unter Beschuss genommen“ so Uhl. Sie appelliert an die Bundestagsabgeordneten des Kreises wenigstens die Möglichkeiten zu nutzen, die der Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD auf Bundesebene vorsieht: „Das ist zwar nicht viel, aber an der ein oder anderen Stelle eine kleine Verbesserung.“ Für Uhl ist klar: Ein nächster Schritt zur wirklichen Veränderung der Situation vieler Werkvertrags-ArbeitnehmerInnen muss folgen.


Nach oben