Deutscher Gewerkschaftsbund

04.10.2016
Standorterweiterung in Kellinghusen

Arbeitsbedingungen in Schlachthöfen

 

Seit der Großschlachter Tönnies im letzten Jahr die Thomsen-Schlachtereien in Kellinghusen und Bad Bramstedt übernommen hat, bleibt dort kaum ein Stein mehr auf dem anderen. Der Betrieb in Bad Bramstedt wurde kurzfristig geschlossen, in Kellinghusen wird der Schlachthof massiv ausgebaut.

Wie diese Arbeitswelt von Schlachtereien und Fleischverarbeitung heute aussieht und zu welchen Bedingungen dort gearbeitet wird, dazu hatte der DGB Steinburg Szabolcs Sepsi vom DGB-Projekt „Faire Mobilität“ eingeladen. Seit fünf Jahren berät Sepsi Arbeitnehmer, die zumeist über Subunternehmer in Schlachthöfen eingesetzt sind.

Tönnies ist im Bereich der Schweineschlachtung der Branchenriese: Alleine in 2012 wurden in den verschiedenen Tönnies-Schlachthöfen mehr als 16 Millionen Schweine geschlachtet. Dazu kommen werden demnächst noch die mehr als 800.000 Tiere, zu deren Schlachtung Tönnies derzeit den ehemaligen Thomsen-Schlachthof in Kellinghusen erweitert.

Susanne Uhl, Geschäftsführerin der DGB-Region Schleswig-Holstein Nordwest, erläuterte zunächst den harten Wettbewerb in der Branche, in der eine Konzentration stattgefunden hat. Die großen Player sind Tönnies, Danish Crown, Vion und Westfleisch. „Die Preise sind auf dem Markt hart umkämpft, der Einzelhandel hat eine große Nachfragemacht“, sagt Susanne Uhl. Kosten wurden reduziert, indem Stammbelegschaften massiv abgebaut wurden. Stattdessen arbeiten dort viele Beschäftigte insbesondere aus osteuropäischen EU-Mitgliedstaaten bei Subunternehmer-Ketten in Werkverträgen. Das ist für die Konzerne billiger. 70-Stunden-Wochen, kaum Pausen, ausbleibender Lohn, katastrophale Unterbringung sind nicht selten und gehen auf die Knochen der Beschäftigten. „Bei Tönnies, Danish Crown und Westfleisch arbeiten nur noch zwischen zwanzig und fünfzig Prozent der Beschäftigten in einer Festanstellung“, so Susanne Uhl.

Szabolcs Sepsi verdeutlichte die Arbeitsbedingungen auch an konkreten Beispielen aus den Tönnies-Schlachthöfen in Niedersachsen. Zwar habe sich nach den Skandalen von vor wenigen Jahren die Situation etwas verbessert. So habe der Mindestlohn in der Fleischbranche, der derzeit bei 8,60 Euro pro Stunde liegt, das Lohngefüge stabilisiert. Und auch die Selbstverpflichtungserklärung der Branche habe nach einem Jahr wenigstens dazu geführt, dass die Zahl der in Deutschland gemeldeten sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnisse gestiegen ist. Allerdings habe die Zahl der Werkverträge entgegen der Selbstverpflichtung bislang nicht abgenommen: Die Konzerne hatten sich verpflichtet, die Zahl der Stammbeschäftigten wieder zu erhöhen. Das stehe aus. Auch die konkreten Arbeitsbedingungen haben sich nach den Erfahrungen Sepsis bislang noch zu wenig verbessert.

Für Susanne Uhl vom DGB machte dies deutlich, wie nötig eine frühzeitige Begleitung der Standorterweiterung in Kellinghusen ist. Ziel müsse es sein, so die DGB Geschäftsführerin, dass von Vorneherein sichergestellt sei, dass die neuen Arbeitskräfte angemessen untergebracht werden und ihre Arbeitssituation den Regeln entspreche. Dass ein Runder Tisch zur Begleitung vor Ort sinnvoll sein könnte, darüber waren sich am Ende alle einig.


Nach oben

Zuletzt besuchte Seiten