Deutscher Gewerkschaftsbund

10.12.2015

Schluss mit Turbo-Putzen und Leistungsverdichtung!

Sie reinigen Büros und Kanzleien, Krankenhäuser und Pflegeheime, Werften und Werkstätten, aber man bekommt sie selten zu Gesicht, denn Reinigungsdienste arbeiten, wenn andere Feierabend haben. Außerdem gehören sie längst nicht mehr zur Stammbelegschaft, sondern sind bei externen Dienstleistern angestellt. „Ein weiteres Problem ist das Turbo-Putzen, Schrubben bis zum Umfallen und eine hohe Leistungsverdichtung“, darauf machte DGB-Geschäftsführerin Susanne Uhl auf einer Veranstaltung in Flensburg aufmerksam. Seit Jahren werde an der Zeitschraube für Reinigungskräfte gedreht, die kalkulierte Zeit in den Objekten sei viel zu knapp. „Die physischen und psychischen Belastungen sind so stark, dass die Gebäudereinigung bei den Krankschreibungen mittlerweile Spitzenreiter ist“, sagt Susanne Welzk, bei der IG Bauen, Agrar, Umwelt (IG BAU) zuständig für die Branche.

Eine Befragung der Gewerkschaft hat ergeben, dass beinahe 90 Prozent der Beschäftigten im Reinigungsgewerbe unter Zeitdruck ihre Arbeit verrichten müssen, 80 Prozent klagten über Stress und beinahe 50 Prozent müssen in ihrer Freizeit für die Arbeit erreichbar sein. Eine Wertschätzung durch die Vorgesetzten erfahren nur 28 Prozent der Befragten.

Betriebsräte aus der Gebäudereinigung bestätigen diese alarmierenden Zahlen - und deshalb haben sich IG BAU und Arbeitgeber jetzt auf eine Vereinbarung zur Begrenzung der Leistungsverdichtung verständigt. „Ziel ist es, neben Maßnahmen zur Vermeidung von Leistungsverdichtung vor und nach einer Tariferhöhung auch über Qualifizierung, Weiterbildung, Arbeits- und Gesundheitsschutz zu verhandeln“, sagt Betriebsrätin Ulrike Mandel-Gier.

Sie fordert für die tägliche Praxis auch eine qualifizierte Einarbeitung von neuen MitarbeiterInnen, die bisher wegen Zeitmangel oft zu kurz kommt. „Das ist fatal, denn werden Putzmittel oder Reinigungsmaschinen falsch eingesetzt, führt das zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen.“ Beim Arbeits- und Gesundheitsschutz dürfe nicht gespart werden, Schutzhandschuhe oder –masken müssten immer genügend vorhanden sein und die Einhaltung von Schutzvorschriften auch kontrolliert werden.

Susanne Welzk macht noch einmal klar, dass Qualität auch ihren Preis hat. Die weit verbreitete Geiz-ist-geil-Mentalität und ein andauernder Unterbietungswettbewerb gehen zulasten der Beschäftigten. „Wenn wir saubere Krankenhäuser, Pflegeheime, Schulen, Kindergärten, Werkstätten und Büros haben wollen, brauchen wir faire Bedingungen in der Gebäudereinigung“, betont Betriebsrätin Hella Potratz.

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BetriebsrätInnen aus der Gebäudereinigung mit Annelie Buntenbach ph


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