Deutscher Gewerkschaftsbund

PM i - 16.02.2018

Frauen in Dithmarschen verdienen 20 Prozent weniger

Frauen verdienen in Deutschland weniger als die Männer, das ist keine neue Erkenntnis. Jetzt gibt es aber eine neue Berechnung des sogenannten Gender Pay Gaps – auf Deutsch etwa Geschlechter-Einkommenslücke, die vom Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) veröffentlicht wurde. Datengrundlage ist dabei der Medianlohn, den sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigte in einer bestimmten Region verdienen. In Dithmarschen verdienten danach zum Stichtag 31.12.2016 die Männer 2.999 Euro brutto, die Frauen aber nur 2.380 Euro brutto, das macht einen Unterschied von 20,7 Prozent - den schlechtesten Wert von allen Kreisen in Schleswig-Holstein.

„Das ist noch ganz weit von gleichwertiger Bezahlung entfernt“, sagt Perke Heldt vom DGB. Da keine Stundenlöhne aus Teilzeitbeschäftigung eingeflossen sind, dürfte der reale Unterschied zwischen den Geschlechtern noch höher sein.

Auch innerhalb von Schleswig-Holstein gibt es regionale Unterschiede. Während in Lübeck und Neumünster die Frauen nur rund 8 Prozent schlechter bezahlt werden, ist Dithmarschen mit 20,7 Prozent Spitzenreiter, gefolgt von Nordfriesland mit 19,2 Prozent.

Für die DGB-Frauen ist es wichtig, in weiteren Untersuchungen zu einer differenzierten Betrachtung zu gelangen, die die Besonderheiten von regionaler Wirtschaftsstruktur einbezieht. Denn aus der IAB-Studie geht hervor, dass Männer in den industriellen Hochburgen beim Entgelt die Nase vorn haben. Ist Industrie schwach ausgeprägt, können auch die Frauen mal besser verdienen, wie das Beispiel Cottbus zeigt. Noch nicht berücksichtigt ist nach Auffassung von Perke Heldt, dass ein beträchtlicher Teil der Lohnunterschiede auch auf Zeiten der Erwerbsunterbrechung für die Familienphase oder Teilzeitbeschäftigung und die Berufswahl zurückgeht.

Ob das neue Entgelttransparenzgesetz an den ungleichen Löhnen etwas ändert, bezweifeln die DGB-Frauen. Denn der Anspruch zu erfahren, was der Rest der Belegschaft verdient, gilt erst in Betrieben mit mehr als 200 Beschäftigten. Perke Heldt weist auf die Möglichkeit des Entgelt-Checks hin, den die Hans-Böckler-Stiftung anbietet. Mit dessen Hilfe können Benachteiligungen beim Arbeitsentgelt sichtbar gemacht und Ursachen aufgezeigt werden.

 


Nach oben

Zuletzt besuchte Seiten