Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 12.06.2018

„Meine Daten gehören mir“ DGB-Workshop zu big data im Betrieb

Digitalisierung der Arbeitswelt, Big Data oder Industrie 4.0 klingt ziemlich innovativ, nach Aufschwung und neuem Wachstum. Was aber geschieht im Betrieb mit den vielen digital gesammelten und verknüpfbaren Daten, die über Kunden, Beschäftigte und Arbeitsprozesse erhoben und gespeichert werden? Das hat sich der DGB Schleswig-Holstein Nordwest in einem Workshop angeschaut: „Mit der Digitalisierung werden auch Arbeitsabläufe verändert und es gibt neue Möglichkeiten der Kontrolle“, sagt DGB-Geschäftsführerin Susanne Uhl.

Vorbild für die Unternehmen ist dabei das kommerzielle Internet, wo Kunden Zuverlässigkeit und Qualität ihrer online bestellten Lieferung oder Dienstleistung bewerten, erklärt Dr. Philipp Staab von der Universität Kassel. Übertragen auf Unternehmen und ihre Beschäftigten heißt das, in sogenannten Echtzeitfeedbacks falsche Handgriffe im Produktionsprozess beispielsweise durch Vibration der Arbeitskleidung kontrollieren und ahnden zu können. Horizontale Ratings, in denen Beschäftigte dazu angehalten werden, ihre Kollegen anonym zu bewerten, führen zur Einteilung der Mitarbeiter in gut oder schlecht. „Die Schlechten (Low-Performer) werden dann regelmäßig gerügt oder sogar entlassen. Und nur die Vorgesetzten kennen alle Namen, damit freundschaftliche Bewertungen ausgeschlossen werden“, erläutert Staab.

Solche Verfahren sind nach der neuen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) unzulässig, macht der ehemalige Datenschutzbeauftragte des Bundes, Peter Schaar, deutlich: „Im Arbeitsverhältnis wäre eine Einwilligung, personenbezogene Daten zu verarbeiten nur ausnahmsweise wirksam. Denn angesichts des Machtgefälles zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer würde eine Zustimmung meist nicht freiwillig erfolgen.“ Er lobt das europäische Gesetz. „Hier hat die EU gut funktioniert und fraktionsübergreifend die digitale Souveränität des Einzelnen gestärkt“.

Aber die Einhaltung des DSGVO muss auch überprüft werden. Hier können Betriebsräte und Beschäftigte zur Transparenz beitragen: Im Falle des Verdachts von Daten-Missbrauch können sie persönlich klagen oder sich an jede Datenschutzbehörde wenden. Diese muss dann innerhalb einer kurzen Frist dafür sorgen, dass die unzulässige Datenverarbeitung untersagt wird. Und es können hohe Strafzahlungen von bis zu 4% des Weltjahresumsatzes verhängt werden.

„Personenbezogene Daten sind heute ein Machtfaktor, deshalb ist die Regulierung so wichtig", sagt Schaar. Er weist darauf hin, wie mächtig der EU-Binnenmarkt ökonomisch ist. Google und Facebook machen hier mehr Umsatz als in China oder in USA und Kanada zusammen. „Sie müssen sich jetzt an das EU-Gesetz halten, denn persönliche Daten dürfen keine Handelsware sein“.

Die 60 TeilnehmerInnen aus Betriebs- und Personalräten der Region sehen auch für ihre Arbeit vor Ort neue Ansätze, um persönliche Daten von Arbeitnehmern zu schützen und auch die von Betrieben eingesetzte Software mit Vernetzungsmöglichkeiten transparenter zu machen. „Ausgangspunkt kann ein Datenverarbeitungsverzeichnis sein, das müssen Arbeitgeber nach der DSGVO anlegen“, machte der Wirtschaftsinformatiker Bernd Coch auf der Veranstaltung deutlich. Er unterstrich die Notwendigkeit, Betriebsvereinbarungen auf Basis des neuen Datenschutzgesetzes zu schließen. Denn: „Meine Daten gehören mir, da hat auch der Arbeitgeber nur begrenzt Zugriff“, sagt Susanne Uhl.

ph

v.l: Susanne Uhl-DGB, Phillip Staab-Uni Kassel und Peter Schaar- ehemaliger Datenschutzbeauftragter des Bundes ph


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