Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 28.11.2011
Fakten zur Ausbildungsqualität in Mecklenburg-Vorpommern

Ausbildungsreport 2011 Mecklenburg-Vorpommern

Die Qualität der dualen Ausbildung in Mecklenburg-Vorpommern ist in weiten Bereichen ein Erfolgsmodell.

Die Umfrage unter 2.213 Auszubildenden in 45 Berufen ergab, dass rund zwei Drittel der Auszubildenden mit ihrer Ausbildung insgesamt zufrieden sind.

Negativer „Ausreißer“: Das Hotel- und Gaststättengewerbe. Fast die Hälfte der Ausbildungsverträge wird im Wesentlichen wegen der Folgen schlechter Ausbildungsbedingungen vorzeitig gelöst. Das ist das Ergebnis des erstmals erscheinenden Ausbildungsreportes der DGB-Jugend MV.

Die Fragen zur Qualität der Ausbildung in den Betrieben ergaben:

Ø       Rund zwei Drittel aller Azubis sind mit ihrer Ausbildung insgesamt zufrieden.

Ø       Für rund ein Fünftel ist die Ausbildung katastrophal. Zum Teil versagen hier alle Kontrollmechanismen (Kammern und Landesregierung).

Ø       31 Prozent aller Azubis leisten regelmäßig Überstunden, 16 Prozent bekommen keinen Überstundenausgleich!

Ø       Die Ausbildungsvergütungen liegen in Mecklenburg-Vorpommern immer noch deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt: 50 Prozent bekommen unter 500€!

Ø       Für 75 Prozent der Azubis ist die berufliche Zukunft – auch bei guter Ausbildung - ungewiss.

Die Situation im Hotel- und Gaststättengewerbe ist für einen Großteil der dort ausgebildeten Jugendlichen hingegen insbesondere bei den Rahmenbedingungen so dramatisch schlecht, dass z.B. von 100 gestarteten Restaurantfachleuten gerade mal 50 tatsächlich ihre Ausbildung abschließen.

Ø       Die Vergütung ist hier deutlich geringer als in anderen Branchen.

95 Prozent der Azubis erhalten weniger als 500 Euro/Monat. In anderen  Branchen sind es „nur“ 52 Prozent mit dieser niedrigen Ausbildungsvergütung.

Ø       Viele Wochenstunden – wenig Urlaub: 62 Prozent der Azubis arbeiten hier über 40 Wochenstunden, in anderen Branchen sind es nur 13 Prozent.

Ø       Nur 9 Prozent der Azubis erhalten im Hotel- und Gaststättengewerbe mehr als 25 Urlaubstage, in anderen Branchen sind es 56 Prozent.

Ø       32 Prozent bekommen keinen Überstundenausgleich, in anderen Branchen sind es nur 14,5 Prozent.

„Damit wird eindeutig klar,“ so der stellvertretende Vorsitzende des DGB Bezirk Nord, Ingo Schlüter, „dass das Hotel- und Gaststättengewerbe durch miserable Entgeltzahlungen und Arbeitsbedingungen für seine Mitarbeiter einen traurigen Spitzenplatz einnimmt. Der drohende Fachkräftemangel in dieser Branche ist hausgemacht, auch weil sich zu viele Betriebe weiterhin der Tarifbindung entziehen.“

Einen deutlichen Lichtblick gibt es aber doch. Dort, wo sich Jugend- und Auszubildendenvertreter/innen, Personal- oder Betriebsräte engagieren, sind die Ausbildungsbedingungen deutlich besser.

Fazit: Insbesondere im Hotel- und Gaststättenbereich sind die Ausbildungsbedingungen nicht tolerierbar! Gesetze und Verordnungen werden aus Gründen der kurzfristigen Gewinnmaximierung im großen Stil unterlaufen. Der DGB Nord erwartet insbesondere von den IHK’n als Kontrollinstanzen die verstärkte Überprüfung der Ausbildungsbedingungen mit entsprechenden Konsequenzen. Das Land hat die Rechtsaufsicht und ist daher politisch gefordert - zum Wohle der Auszubildenden aber auch im Interesse der guten Ausbildungsbetriebe in dieser Branche.


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