Deutscher Gewerkschaftsbund

PM i - 14.12.2017

Textile Lieferketten transparent machen

In der Adventszeit freut sich der Einzelhandel über riesige Umsätze, shopping ist angesagt – Bekleidung, Schuhe, Sportartikel gehen über den Ladentisch. Seit den Brandkatastrophen und dem Einsturz des Rana Plaza-Gebäudes in Bangladesch mit tausend Toten und noch mehr Verletzten wird von den VerbraucherInnen verstärkt nachgefragt, unter welchen Arbeitsbedingungen Textilien hergestellt werden. Haben die sich verbessert? Diese Frage stellten Perke Heldt von den DGB-Frauen und Ute Morgenroth vom evangelischen Frauenwerk. Sie hatten Frank Zach zu einer Veranstaltung in Flensburg eingeladen. Der ist beim DGB für internationale Politik zuständig, betreut Asien und ist Mitglied im Bündnis für nachhaltige Textilien, das Entwicklungshilfeminister Müller vor vier Jahren ins Leben gerufen hat.

„Ja, es gibt Fortschritte, vor allem beim Brand- und Gebäudeschutz, Textilmarken finanzieren unabhängige Inspektionen. Arbeiter aus Fabriken, die saniert werden müssen, bekommen ihren Lohn weiter. Das Abkommen gilt in über 1.600 Betrieben mit mehr als zwei Millionen Beschäftigten“, erklärt Frank Zach.

Im Textilbündnis beraten 98 Unternehmen, Regierungsvertreter, NGO’s, Gewerkschaften und Verbände auf freiwilliger Basis, wie man die Arbeitsbedingungen in der Produktion von Fasern und Textilien verbessern und Umweltbelastungen durch Chemikalien reduzieren kann. Die ersten Ergebnisse wurden in sogenannten Roadmaps (Fahrpläne) konkretisiert und Maßnahmen festgelegt, die für mehr soziale Gerechtigkeit und Umweltschutz in Lieferländern wie Bangladesch sorgen wollen. „Engagiert dabei sind zum Beispiel Adidas, Aldi Nord und Süd, C&A, H&M,Hess-Natur, KiK, die Otto-Gruppe, Tchibo oder Vaude“, lobt Frank Zach. Die streben an, ihre textilen Lieferketten transparenter zu machen. KundInnen könnten demnächst über einen QR-Code mehr Infos darüber erhalten. Andere reduzieren die Menge ihrer Zulieferer oder erstellen soziale und ökologische Kriterien. Wer die erfüllt, bekomme künftig mehr Aufträge. „Es sind kleine Schritte, aber ich kann schon erkennen, dass Ministeriums, Unternehmen und Verbände ernsthaft an Lösungen arbeiten und ihre Verantwortung entlang der lieferketten wahrnehmen wollen“, so Frank Zach. Einige Unternehmen sind allerdings auch ausgestiegen, weil sie erkennen mussten, wieviel Mühe es bereitet, Verantwortung für Menschenrechte zu übernehmen. Gerade hier werde deutlich, dass es ein Gesetz für unternehmerische Sorgfaltspflicht, wie in Frankreich, geben müsse: „Um Menschenrechte in der Wirtschaft zu schützen und zu fördern, ist ein gesetzlicher Rahmen für eine entsprechende Sorgfaltspflicht von Unternehmen besser.“

Für die DGB-Frauen und das evangelische Frauenwerk ist vor allem wichtig, dass auch existenzsichernde Löhne verhandelt werden. „Von durchschnittlich 123 Euro kann auch in Bangladesch niemand leben“, betonen Ute Morgenroth und Perke Heldt.

 

 

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Frank Zach ist Referatsleiter beim DGB-Bundesvorstand in der Abteilung Internationale Politik. Er sitzt für den DGB im Lenkungsausschuss beim Bündnis für nachhaltige Textilien. dgb


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