Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 1 - 04.10.2017

Digitalisierung - betriebliche Herausforderung im Grenzland

Digitalisierung ist überall Thema, auch bei den deutschen und dänischen GewerkschafterInnen, die sich zu ihrer traditionellen Jahreskonferenz, diesmal in der Akademie Sankelmark trafen. Anne-Lise Høg Lejre; Direktorin des Teknologisk Institut in Aarhus geht davon aus, dass viele Beschäftigungsfunktionen sich ändern werden und setzt auf Aus- und Weiterbildung. Digitale Unternehmen sind produktiv und bedeuten wirtschaftliches Wachstum. „Wir müssen die Digitalisierung aber so navigieren, dass alle Bereiche davon profitieren“, sagt Anne-Lise Høg Lejre, „Schüler, Bürger, Arbeitnehmer und Unternehmer sollten Nutznießer sein“.

Dänemark hat eine lange Tradition mit der Förderung von neuen Technologien mit einem attraktiven Milieu für Fachkräfte und Talente. „Wir bieten Kompetenz und Beratung bei der Finanzierung, unterstützen Start-Ups oder die Arbeit mit Robotern oder 3-D. Im digitalen Ranking findet sich Kopenhagen gleich hinter Berlin“, so Høg-Lejre. Die Steuerverwaltung ist in Dänemark schon vollständig digitalisiert. Das bringt für Grenzpendler mit fehlender Sprachkompetenz einige Probleme mit sich. Darauf wies Peter Hansen vom Regionskontor hin. „Wir helfen mit Broschüren und Beratung“.

Für Susanne Uhl, Geschäftsführerin beim DGB Schleswig-Holstein Nordwest ist es wichtig, die aufgeregte Debatte um Digitalisierung zu erden. „ArbeitnehmerInnen werden in Angst und Schrecken versetzt, wenn es heißt, die Digitalisierung verändere die Arbeitswelt dramatisch und vernichte Millionen Jobs“, sagt Uhl. Technologiesprünge fallen aber erfahrungsgemäß nicht überraschend vom Himmel. „Wir sehen jedoch, dass kontinuierlich Produkte und Dienstleistungen automatisiert und rationalisiert, Arbeitsschritte zerteilt und standardisiert werden. Bisher in den Betrieben erbrachte Leistungen werden von außen eingekauft oder in Servicegesellschaften ausgelagert – zu schlechteren Löhnen und ohne Mitbestimmung. Auch die innerbetriebliche Kontrolle wächst“, beschreibt Susanne Uhl die veränderte Arbeitswelt. Die Digitalisierung sei aber nicht die Ursache für diese Prozesse, sie beschleunige und verschärfe die Bedingungen allerdings.

"Die meisten Beschäftigten können mit Selbstbewusstsein in die digitale Zukunft schauen, denn sie gestalten den Wandel an ihren Arbeitsplätzen schon heute jeden Tag", macht Susanne Uhl deutlich.

Qualifizierung und Weiterbildung sind nach Auffassung der DGB-Chefin aus Flensburg wichtige Instrumente, um auf digitale Herausforderungen  zu reagieren. Ebenso wichtig sei es aber, Instrumente zu entwickeln, der zunehmenden Auslagerung von Produktion und Dienstleistungen aus den Unternehmen etwas entgegen zu setzen. Auch müsse der wachsende Kontrolldruck an vielen Arbeitsplätzen eingedämmt werden, er mache die Beschäftigten krank. „Die Mitbestimmung muss ausgeweitet und eine technologiekritische Debatte eröffnet werden“, fordert Susanne Uhl.

Ein weiteres Thema der deutsch-dänischen Konferenz waren die Bundestagswahl bzw. die bevorstehenden Regionalwahlen in Dänemark. Für Klaus Beck vom DGB-Bundesvorstand steht fest, dass die Gewerkschaften auch nach der Wahl die Themen Rentenniveau, Tarifbindung, Pflege-Aufwertung, prekäre Beschäftigung und  Europa vorantreiben wollen. „Wir müssen uns mehr Mühe geben, politische Zusammenhänge zu erklären und das Thema soziale Sicherheit mit der Innenpolitik verknüpfen“, meint Beck mit Blick auf die AfD.

Marita Geinitz von der dänischen 3F erläuterte, dass Dänemark bei den Regionalwahlen vor den gleichen Herausforderungen stände wie Deutschland: „Auch bei uns wird nicht immer vernünftig argumentiert, sondern populistisch“. Die Gewerkschaften haben deutlich gemacht, dass sie eine soziale Balance in der Politik wollen, das heißt Investition in Kinderbetreuung, Ausbildung von jungen Menschen, Qualifizierungsangebote für Arbeitslose und Integration statt Spaltung bei der Migration. Mit einer Kampagne in den sozialen Medien werben sie für den Zusammenhalt, denn „es gibt kein ich ohne wir“, meint Marita Geinitz.

 

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Klaus Beck, DGB-Bundesvorstand und Marita Geinitz, 3F. ph

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Ein interessiertes Publikum. ph

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Anne-Lise Hög Lejre vom Teknologisk Institut. ph

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Susanne Uhl vom DGB SH Nordwest. ph


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