Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 20.03.2017

Schneckentempo beim gleichen Lohn für gleiche Arbeit

Der reale Unterschied beim Entgelt von Männern und Frauen liegt aktuell bei 21 Prozent. Und selbst, wenn sämtliche den äußeren Ungleichheiten geschuldeten Unterschiede abgezogen werden, bleibt immer noch eine Differenz von sieben Prozent, die durch nichts zu erklären ist. „Diese Schieflage wird sich auch mit dem neuen Gesetz zur Entgeltgleichheit nur im Schneckentempo ändern“, sagt Perke Heldt vom DGB Schleswig-Holstein Nordwest zum zehnten Jahrestag des „Equal Pay Day“ am 18. März.

Transparenz in Entgeltfragen sei ein erster, guter Schritt auf dem steinigen Weg zur Gehaltsfairness. Aber den individuellen Anspruch darauf zu erfahren, was der Rest der Belegschaft verdient, gibt es erst in Unternehmen mit mehr als 200 Beschäftigten. „Die meisten Betriebe in unserer Region sind kleiner, hier greift das Gesetz gar nicht“, bedauert Perke Heldt. Sie verweist auf das Angebot eines Entgelt-Checks (eg-check) der Hans-Böckler-Stiftung, das eine Ungleichbehandlung der Geschlechter beim Arbeitsentgelt sichtbar machen kann. Mithilfe des eg-checks werden konkrete Ursachen aufgezeigt und auch das finanzielle Ausmaß einer Benachteiligung berechnet.

Geprüft werden mit dem eg-check alle Entgelte nach rechtlichen Vorgaben, die Anforderungen an die Tätigkeiten, aber auch ganz individuell die einzelne Gehaltsbestandteile: Grundgehalt, Zulagen, Sonderzahlungen usw. Gehaltsunter-schiede müssten in der Unternehmenspraxis ja erst einmal belegt werden. Idealer Weise sollte der eg-check als Projekt durchgeführt werden, denn an der Festlegung von Arbeitsentgelten sind meist mehrere Akteure beteiligt. „Arbeitgeber, Frauenbeauftragte, Betriebs- und Personalräte könnten hier durchaus aktiv werden“, sagt Perke Heldt. Um die Arbeitszeitlücke zwischen Männern und Frauen zu schließen, müsse jedoch ein Rechtsanspruch auf befristete Teilzeit geschaffen werden und frauendominierte Berufe müssten weiter aufgewertet werden.

Informationen über den von den Soziologinnen Dr. Karin Tondorf und Dr. Andrea Jochmann-Döll entwickelten Entgelt-Check gibt es im Internet: www.eg-check.de.


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