Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 03.07.2017

Welthandel und Menschenrechte: da geht noch was!

Über Welthandel diskutieren demnächst die führenden Industrienationen bei ihrem G20-Treffen in Hamburg. Immer günstiger soll produziert werden. „Dafür zahlen Arbeitnehmer in anderen Ländern einen hohen Preis“, sagen Joachim Flicek von attac Nordfriesland und Mathias Wötzel vom DGB Kreisverband. Deshalb diskutierten sie mit zahlreichen TeilnehmerInnen im Husumer Speicher über soziale Menschenrechte. Das Beispiel der Textilproduktion zeige exemplarisch, wie unfair, wenn nicht menschenunwürdig globale Arbeitsbedingungen sein können.

Dafür lieferte die Journalistin Ines Burkhardt von femnet, einem politischen Netzwerk, das sich für soziale Standards und Gleichberechtigung engagiert, einige Fakten: 40 Prozent unserer gesamten Textilproduktion kommt aus Bangladesch, eines der korruptesten Länder der Erde. „Gesetze werden dort nicht eingehalten, unabhängige Kontrollen gibt es nicht, Proteste werden niedergeknüppelt, Gewerkschafter verhaftet“, erläutert Burkhardt.

In den vergangenen Jahren sei es immer wieder zu verheerenden Unglücken mit Toten und Schwerverletzten gekommen. Westliche Unternehmen, entziehen sich ihrer Verantwortung, indem sie an die Fabrikbesitzer vor Ort verweisen. Mittlerweile gibt es zwar ein Gebäude- und Brandschutzabkommen, das von der internationalen Gewerkschaftsorganisation IndustriALL mit mehr als 200 Unternehmen geschlossen wurde, darunter Tchibo, H&M, KIK, Lidl, C&A. Es sieht Sicherheitsüberprüfungen durch unabhängige Inspektoren und finanzielle Unterstützung vor, um Mängel zu beseitigen.

Die Arbeitsbedingungen haben sich jedoch nicht verbessert. „56 Euro Monatslohn reichen auch in Bangladesh nicht zum Leben“, sagt Ines Burkhardt. Erniedrigung, Beschimpfung, überlange Arbeitszeiten und fehlender Gesundheits- und Arbeitsschutz verschlimmern die Lage. Das Bündnis für nachhaltige Textilproduktion vom CSU-Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit will Verbesserungen erreichen. „Aber das läuft alles auf freiwilliger Basis, wir brauchen verbindliche Vorgaben“, fordert Burkhardt.

Genau da sieht auch Michael Krennerich vom Nürnberger Menschenrechtszentrum einen Ansatzpunkt. In der globalen Handelskette wird nach seinen Angaben ständig ein ganzes Bündel von sozialen Menschenrechten verletzt. Dabei haben sich die Staaten in internationalen Abkommen verpflichtet, diese einzuhalten und ihre Bürger zu schützen, sollten Unternehmen gegen die Menschenrechte verstoßen. „Neben Bangladesch sind daher auch die westlichen Staaten in der Pflicht, verbindliche Regeln für Verantwortung, Transparenz und Sorgfalt in der globalen Lieferkette sicherzustellen“, sagt Krennerich. Die ist in der Tat unübersichtlich, weil sie vom Baumwollanbau in der Ukraine, Spinnereien in Indien, Bleichen, Imprägnieren in Pakistan sowie Nähen in Bangladesch reichen kann.

Als Verbraucher in Nordfriesland könne man sein Konsumverhalten überdenken und beim Shoppen auf Fairtrade-Labels achten. Man könne auch über Nicht-Regierungs-Organisationen Menschen unterstützen, die sich gegen Rechtsverletzungen und Korruption zur Wehr setzen. „Aber soziale Menschenrechte zu schützen und zu gewährleisten, kann nicht an die Verbraucher delegiert werden, das ist eindeutig Sache des Staates – und der muss aktiver werden“, stellt Michael Krennerich klar.

Mehr Informationen zur Textilproduktion, sozialen und ökologischen Standards oder Textilsiegel gibt es bei www.femnet-ev.de oder www.saubere-kleidung.de

 

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Wollen faire Bedingungen entlang der globalen Lieferketten: Dr. Michael Krennerich vom Menschenrechtszentrum in Nürnberg, Ines Burkhardt von femnet und Mathias Wötzel vom DGB Nordfriesland. ph


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