Deutscher Gewerkschaftsbund

21.11.2014

Aus der Schule in den Dschungel

 

Zu viele Jugendliche gehen auch in Schleswig-Holstein auf dem Weg von der Schule in eine Berufsausbildung „verloren" oder stecken in einer sogenannten Übergangsmaßnahme. Grund genug für den DGB Kreisverband Steinburg, das Thema auf einer Veranstaltung in Itzehoe zu diskutieren: „Es kann nicht sein, dass Jugendliche sich nach der Schule mit einem Dschungel von Maßnahmen konfrontiert sehen, die nichts mit einer Berufsausbildung zu tun haben“, fasst der DGB Kreisvorsitzende Tobias Klaassen das Problem zusammen.

 „Im Jahr 2011 waren je nach Zählung bis zu 15.000 Jugendliche in einer Übergangsmaßnahme, das sind fast 50 Prozent eines Schulabgänger-Jahrgangs“, sagt Ingo Schlüter, stellv. Vorsitzender des DGB-Bezirk Nord und Experte für Bildungspolitik.  Dabei hat jeder Jugendliche ein Recht auf eine Berufsausbildung mit qualifizierendem Abschluss – so steht es im Küsten-Koalitionsvertrag. Und aus dem Fachkräftebündnis auf Landesebene weiß Ingo Schlüter zu berichten, dass im Jahr 2030 rund 85.000 Facharbeiter in Schleswig-Holstein fehlen werden. Höchste Zeit also, den Weg von der Schule in den Beruf neu zu strukturieren. „Da darf uns wirklich niemand verloren gehen“, so Schlüter.

Die zentrale Herausforderung ist für Schlüter, dass es für Jugendliche in den Kreisen und Regionen Schleswig-Holsteins nur noch eine zentrale Anlaufstelle für alle Fragen und Probleme geben sollte. Hier können die Jugendberufsagenturen Hamburgs Vorbild sein: dort gibt es bereits eine solche Anlaufstelle für individuelle Beratung und einzelfallbezogene Hilfe. In Übergangsmaßnahmen gehen danach nur noch junge Menschen mit entsprechendem Förderbedarf, alle anderen werden in eine duale Ausbildung vermittelt oder beginnen ein Studium. Finanziert wird das Ganze durch rechtskreisübergreifende Zusammenarbeit aller Akteure einer Region.

Auch im Kreis Steinburg gibt es bereits gute Erfahrungen mit dem Übergangsmanagement von Schule und Beruf.  In der Diskussion schwang aber auch Skepsis mit, denn es gibt deutlich weniger Übergangsmaßnahmen und deutlich weniger Beschäftigte im ohnehin prekären Weiterbildungssektor. Auch Ingo Schlüter weiß um die Hürden, die auf dem Weg zu nehmen sind. Die neue Ministerin Britta Ernst stimme ihn aber hoffnungsfroh: Ihre Fachkompetenz und die Zusammenführung der Zuständigkeiten für Schule und Berufsbildung unter dem Dach ihres Ministeriums erhöhe die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Landesebene doch noch auf gemeinsame Qualitätsstandards einigen könne. 


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