Deutscher Gewerkschaftsbund

25.11.2015

Frei leben - ohne Gewalt

Sexuelle Belästigung endet nicht vor den Werktoren und Bürotüren, stellt Perke Heldt vom DGB Schleswig-Holstein Nordwest zum Tag der Gewalt gegen Frauen fest. „Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist schwerwiegend: Sie kann betroffene Mitarbeiterinnen demotivieren und krank machen das Betriebsklima vergiften, die Leistung des Unternehmens beeinträchtigen“ In den meisten Unternehmen sei sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz immer noch ein Tabuthema. „Dabei hat jede/r zweite Beschäftigte bereits sexistische Witze, anzügliche Bemerkungen, unerwünschte Berührungen oder andere Formen sexueller Belästigungen erlebt“, sagt Perke Heldt.

Der DGB weist darauf hin, dass die Unternehmen gesetzlich verpflichtet sind, gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz vorzugehen (§ 12ff. AGG). Sie müssen vorbeugende Maßnahmen treffen, ihre Beschäftigten schulen, im Fall einer sexuellen Belästigung die geeigneten, erforderlichen und angemessenen Maßnahmen gegenüber belästigenden Beschäftigten ergreifen. Dazu gehören Abmahnung, Umsetzung, Versetzung oder Kündigung. Betriebe müssen auch wirksame Maßnahmen gegenüber belästigenden Dritten ergreifen, Beschwerdestellen einrichten sowie die Belegschaft über diese und das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) informieren. Heldt: „Zu wenige Unternehmen kümmern sich, vor allem Führungskräfte brauchen in diesem Punkt Fortbildung.“ Es fehle in vielen Betrieben an Ansprechpartnern, Beratungsangeboten, Notrufnummern und Aushängen am Schwarzen Brett.

Der DGB fordert außerdem, dass Beratungs- und Hilfeeinrichtungen für Frauen und Kinder erhalten und ausgebaut werden müssen. Auch Flüchtlingsfrauen benötigen, unabhängig vom Aufenthaltsstatus, Beratung – die Frauenhäuser müssen auch ihnen offen stehen. Niemand darf  wegschauen oder mit Gleichgültigkeit reagieren, wenn er zum Mitwisser wird. Arbeitnehmerinnen, Auszubildende, Frauen und Mädchen sollen ermutigt werden, sich gemeinsam zu wehren. "Die Gesellschaft muss wach werden und den Skandal der Gewalt gegen Frauen und Kinder beenden“, fordert Perke Heldt, die beim bei DGB Nordwest für Gleichstellungsfragen zuständig ist.

Am 25. November werden auf und vor vielen Gewerkschaftshäusern in Deutschland - so auch in Flensburg - die blauen Fahnen der Organisation „Terre des Femmes“, mit dem Motto: „Frei leben ohne Gewalt“ wehen. Die Aktion soll an den Gemeinschaftssinn der Bevölkerung und an die Zivilcourage jedes Einzelnen appellieren.

 

Zum Hintergrund:

Der Aktionstag geht auf die Verschleppung, Folterung und Ermordung der Schwestern Mirabel zurück. Sie wurden am 25. November 1960 in der Dominikanischen Republik vom militärischen Geheimdienst umgebracht, weil sie sich an Aktivitäten gegen den damaligen Diktator Trujillo beteiligt hatten. 1999 wurde der 25. November von den Vereinten Nationen als offizieller Gedenktag anerkannt.


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