Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 123 - 15.09.2015

Windbranche: Mit blauem Auge davongekommen

„Wie geht’s denn so, Windbranche?“ – nach den Turbulenzen im letzten Jahr mit der Reform des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) waren die TeilnehmerInnen einer DGB-Veranstaltung in Husum auf die Antwort gespannt. „Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen“, stellte Wolfram Axthelm vom Bundesverband WindEnergie fest. Das lag aber daran, dass die heftigen Einschnitte beim EEG durch das niedrige Zinsniveau aufgefangen werden konnten. Für die Beschäftigungsentwicklung gilt das nicht: „Die stagniert“, sagt der IG Metall-Chef Küste, Meinhard Geiken. Aber er sieht Möglichkeiten: “Wenn Windmüller mehr Komplett-Angebote machen, die von der Projektierung bis zu Wartung und Service alles einschließen, könnten Wertschöpfung und Beschäftigung gesteigert werden.“

Ungemütlich wird es 2017 für die Windbranche, dann sieht das EEG Ausschreibungen für Off- und Onshore vor. „Leider weiß das Bundeswirtschaftsministerium nicht wirklich, wie die Windbranche tickt und dass wir durch die kleinbetriebliche Struktur technische Spitzenleistung erbringen“, stellt Nicole Knudsen vom BWE Schleswig-Holstein fest. Sie hält das Verfahren für falsch, weil es gerade Kleinanbieter und Bürgerwindparks benachteilige. Und auch Meinhard Geiken befürchtet wegen der langen Planungsphasen – onshore mindestens 5 Jahre, offshore mindestens 8 Jahre – eine Produktionslücke bei der Windenergie. Deshalb müssten sehr schnell Leitlinien erarbeitet werden. Die Idee des BWE ist eine Ausnahmeregelung für kleinere Anbieter und Bürgerwindparks bei Gutachten und Bürgschaften, um Risikoaufschlägen der Bank zu vermeiden. „Das geht und ist EU- und Beihilferechtlich abgesichert“, sagt Knudsen. Für Gewerkschaften ist die Festlegung von Sozial-standards und Tarifbindung wichtig. „Aber wir brauchen auch eine Transparenz bei den Angeboten, um besonders bei Offshore zu vermeiden, dass staatliche Subventionen einfließen und den Wettbewerb verzerren“, betont Geiken. Berlin und Brüssel müssten hier schnellstens für Klarheit sorgen, um Schaden abzuwenden, sind sich BWE und IG Metall einig.

Insgesamt sehen BWE und IG Metall die Windbranche auf einem guten Weg. Co2-Ziele, Klimawandel und bezahlbare Energieversorgung sind aber nicht nur mit Windmühlen zu schaffen. „Wir brauchen alle erneuerbaren Energien, müssen weiter an Speichermöglichkeiten arbeiten und den Wind auch für Wärme und Mobilität nutzen“, hebt Wolfram Axthelm vom BWE hervor.

Die gute Zusammenarbeit zwischen BWE und Gewerkschaft, die schon beim Widerstand gegen das EEG deutlich wurde, soll fortgesetzt werden. „Demnächst wird die gemeinsame Studie zu betrieblicher Mitbestimmung in Husum vorgestellt“, plant DGB-Geschäftsführerin Susanne Uhl schon die nächste Veranstatlung.

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Wolfram Axthelm und Meinhard Geiken im Gespräch ph

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Nicole Knudsen und Wolfram Axthelm vom BWE diskutieren mit Meinhard Geiken, IGM und Susanne Uhl, DGB ph

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Nicole Kndusen mit Meinhard Geiken ph


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