Deutscher Gewerkschaftsbund

17.06.2011

Gleichstellung ist mit einer halben Stelle nicht zu schaffen

DGB-Frauen wenden sich an die Kommunalaufsicht

Wie peinlich: im Hauptausschuss des Kreises wird die Stelle der Gleichstellungsbeauftragten in Vollzeit beschlossen und ausgeschrieben. Die ersten Bewerberinnen melden sich und erfahren nun, dass der Kreistag nur eine halbe Stelle gebilligt hat.

 „Anscheinend haben einige Mitglieder des Kreistages den Tätigkeitsbericht der Gleichstellungsbeauftragten nie gelesen, sonst würden sie bei der Fülle der Arbeitsschwerpunkte nicht auf die Idee kommen, jemand könne das alles mit einer halben Stelle schaffen“, kritisiert Perke Heldt von den DGB-Frauen. Die bisherige Amtsinhaberin Margot Wilke hat sich innerhalb der Verwaltung um Frauenförderung, familienfreundliche Personalpolitik, leistungsorientierte Bezahlung und Fortbildung gekümmert und auch schon mal von ihrem Widerspruchsrecht bei personellen Maßnahmen Gebrauch gemacht. Sie hat sich in die Arbeitsmarktpolitik und Kinderbetreuung eingemischt, viel für die Mädchenarbeit, Gesundheitspoltik, Gewaltprävention, für Alleinerziehende und Führungskräfte geleistet. Beratung von Frauen gehört genauso zu ihrem Job wie Öffentlichkeitsarbeit, Girls Day, die Zusammenarbeit mit anderen Frauenorganisiationen oder die Teilnahme an Sitzungen der Auschüsse. „Diese Arbeit ist unmöglich mit einer halben Stelle zu schaffen“.

 Gleichstellungsarbeit darf nicht reduziert werden, fordern die DGB-Frauen und wollen sich an die Kommunalaufsicht wenden, um den Kreistagsbeschluss überprüfen zu lassen. Sie beziehen sich auf einen Erlass des Innenministeriums von 1991, in dem von Vollzeit bei einer bestimmten Einwohnerzahl ausgegangen wird.

 „Alle Aufgabenfelder einer Gleichstellungsbeauftragten dienen dazu, Strukturen zu verändern“, erläutert Perke Heldt. Wie schwer, aufwändig und langwierig das ist, müssten die Kommunalpolitiker aus eigenen Erfahrungen wissen. Seit Jahren äußern sie sich wohlwollend zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf, bei der Kinderbetreuung gehört Dithmarschen dennoch zu den Schlusslichtern.

 „Haushalt sanieren auf Kosten der Gleichstellung ist angesichts der Summe lächerlich“, meint Perke Heldt. CDU und FDP haben im Kreistag eine rückwärtsgewandte Entscheidung getroffen, die sich in der Praxis nicht bewähren kann.


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