Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 08.03.2016

"Wir brauchen Personalbemessung in der Pflege"

„Wir machen das Frauen-Frühstück schon so lange – uns ist gar nicht aufgefallen, dass wir in diesem Jahr 25jähriges Jubiläum feiern“, stellten Katharina Petersen von der Beratungsstelle Frau & Beruf und Perke Heldt vom DGB auf Nachfrage einer Journalistin fest. Vielleicht aber war gerade deshalb die Stimmung der 160 Frauen im Gemeindezentrum St. Jürgen so gut und so aufgekratzt. Auch in diesem Jahr waren wieder Gäste - aus Betrieben und Verwaltungen, Politik und Verbänden, griechischer und jüdischer Gemeinde, Jung und Alt – bunt vertreten.

Das Publikum kennt das schon: vor dem Sturm auf das leckere Buffet gibt es die frauenpolitische Botschaft. Perke Heldt berichtete über den Erfolg des vor einem Jahr eingeführten Mindestlohnes von 8,50 €, von dem untere Entgeltgruppen und ganz besonders viele Frauen profitiert haben. Sie machte aber auch klar, dass es Ausnahmen vom Mindestlohn für Flüchtlinge nicht geben dürfe. „Lasst uns stattdessen über eine Erhöhung diskutieren“, fügte sie unter dem Beifall von 160 Frauen hinzu.

Die Arbeitsbedingungen in der Pflege beschrieb Ute Dirks, Geschäftsführerin bei ver.di-Nordost: in den Krankenhäusern fehlen 162.000 Stellen, die Belastungen werden immer größer. „Besonders schlimm ist es für das Reinigungspersonal. Drei Minuten werden für ein Patientenzimmer veranschlagt“, so Ute Dirks. ver.di hat in 238 Krankenhäusern „Nachtdienstchecks“ durchgeführt und festgestellt, dass teilweise für 50 PatientInnen nur eine Nachtwache vorhanden war. „Wir brauchen eine gesetzliche Personalbemessung für die Pflege, die nicht unterschritten werden darf“, fordert die ver.di-Frau. Sie machte auch deutlich, dass nur dort, wo die Beschäftigten sich organisieren, bessere Bedingungen ausgehandelt werden können. ver.di habe weit über 3.000 Tarifverträge im Pflegebereich.

Kritisch sehen DGB und ver.di die Pflegeberufekammer, die in Schleswig-Holstein auf den Weg gebracht worden ist. „Die Kammer ist wirkungslos für Arbeitsbedingungen oder Bezahlung“, so Dirks, „wird aber teuer für die Beschäftigten, weil sie Zwangsbeiträge zahlen müssen“.

Die Alleinerziehenden – eine große Gruppe Frauen, die einen schwierigen Alltag mit Kindern und Jobsuche oder mehreren Minijobs meistern – stellte Katharina Petersen von der Beratungsstelle Frau & Beruf in Flensburg vor. Der aktuelle Armutsbericht der Bundesregierung sieht das größte Risiko, von Armut betroffen zu werden, bei den Alleinerziehenden. „Ursachen sind Jobs mit Niedriglohn, instabile oder befristete Arbeitsplätze, aber auch die ungerecht verteilten familienpolitischen Leistungen“, sagt Katharina Petersen. Prekäre Arbeitsverhältnisse erschweren die Teilhabe von Alleinerziehenden auf dem Arbeitsmarkt. Viele dieser Frauen kämpfen hart um einen festen Job und planbare Arbeitszeiten. "Die Familienform darf nicht darüber entscheiden, ob Kinder und - in der Regel - ihre Mütter in Armut leben", so Petersen.

Wie immer wurde eine Spende eingesammelt, diesmal zugunsten des Kinderschutzbundes/Kinderhauses Flensburg: 446,59 € werden überwiesen. Vielen Dank dafür!

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ver.di-Geschäftsführerin Ute Dirks: Bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege dgb

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Katharina Petersen, Frau & Beruf: Alleinerziehende müssen einen schwierigen Alltag meistern. dgb


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