Deutscher Gewerkschaftsbund

08.11.2018

Faire IT - das geht!

Computer, Drucker, Smartphone, Tablet – wir alle nutzen die Geräte der Informationstechnologie und wissen kaum etwas über die Herstellungsbedingungen. Der DGB Schleswig-Holstein Nordwest und das „Bündnis Eine Welt“ haben einen Blick auf die Lieferketten geworfen und ausgelotet, welche Einflussmöglichkeiten es in Richtung einer sozial- und umweltverträglichen Produktion gibt. Dabei sind sie auf die schleswig-holsteinischen Hochschulen gestoßen, die Vorreiter für die faire Beschaffung von IT-Hardware sind.

Markus Schwarz vom „Bündnis Eine Welt“ stellte die Herausforderungen der IT-Produktion vor. „Die ist seit Jahrzehnten in asiatische Länder ausgegliedert, es gibt ein verzweigtes System von Subunternehmen und komplexe Lieferketten“, erläutert Schwarz. Die Arbeitsbedingungen seien teilweise schlimm: 12-Stunden-Tage, geringe Löhne, keine Gesundheits- und Sicherheitsstandards. „Da in der IT-Produktion oft mit Schadstoffen und giftigen Dämpfen gearbeitet wird, ist das Krankheitsrisiko für die Beschäftigten hoch“, sagt Schwarz. Kernarbeitsnormen der ILO (International Labor Organisation) werden kaum eingehalten. Einfache Lösungen über ein einziges Siegel gäbe es entlang so verzweigter Wertschöpfungsketten kaum.

Hohe Nachfrage: Öffentliche Hand kann Druck machen

Großen Einfluss könne jedoch die öffentliche Hand nehmen, die in Schleswig-Holstein einige Millionen für die Beschaffung von IT ausgibt. „Das ist eine enorm große Nachfrage, wenn die an faire Bedingungen geknüpft wird, bewegen sich die Hersteller“ stellt Susanne Uhl, DGB-Geschäftsführerin fest. Wenn nun aber das Land Schleswig-Holstein, wie geplant, das Tariftreue- und Vergabegesetz kippt, wird der Druck auf die Hersteller nachlassen.

Dabei habe der Branchenverband BITKOM das Signal verstanden und arbeite daran, soziale Standards und Nachhaltigkeit in der Lieferkette zu befördern.

Wissenschaft geht voran

Und an den 15 Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Schleswig-Holstein tut sich auch was. Die haben sich alle zusammengetan und 2017 einen Rahmenvertrag für die IT-Beschaffung geschlossen, der neben den technischen Anforderungen auch ökologische Gesichtspunkte und soziale Verträglichkeit festschreibt. Immerhin geht es um 10 Millionen Euro, die in drei Jahren ausgegeben werden.

„Natürlich gab es Nachfragen bei den Bietern“, sagt Thomas Starck, IT-Serviceleiter der Europa-Uni Flensburg. „Aber die fanden die sozialen und ökologischen Kriterien gut und arbeiten damit“. Teurer sei die Beschaffung nicht geworden. Die Hersteller verpflichten sich, die ILO-Kernarbeitsnormen einzuhalten. Die sehen unter anderem Arbeits- und Gesundheitsschutz und Gewerkschaftsrechte vor, sie verbieten Kinder- und Zwangsarbeit. „Das reicht uns aber nicht aus, wir sind deshalb Mitglied bei Electronics Watch geworden, die die unabhängige Kontrolle der Hersteller entlang der Lieferkette übernehmen“, ergänzt Karsten Neelsen, Leiter der Zentralen IT an der Fachhochschule Westküste.

Das könne alles nur ein Anfang sein, aber immerhin sei erreicht, dass die Hersteller sich Gedanken über ihre Lieferketten machen, soziale Standards und Nachhaltigkeit sich im Hochschulprofil wiederfinden und die Zusammenarbeit mit Electronics Watch eine praktische Lösung der Kontrolle bietet.

Standards gesetzlich festschreiben

„Was uns jedoch fehlt, ist eine verlässliche und klare gesetzliche Grundlage, die all diese Aspekte in öffentlichen Ausschreibungen ermöglicht. Soziale Standards müssen im Tariftreue- und Vergabegesetz drinbleiben und dürfen nicht gestrichen werden. Sie müssen aber auch in der Beschaffungs-Verordnung des Landes abgebildet werden“, fordern die IT-Spezialisten von der Uni Flensburg und der FH Westküste. Und ein bisschen mehr öffentliche Resonanz würde er sich auch wünschen. „Denn wir haben hier in Schleswig-Holstein für ein großes globales Problem doch immerhin den Anfang einer Lösung gefunden“.

 

 

 

 

 


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