Deutscher Gewerkschaftsbund

03.02.2014

Schlechte Arbeitsbedingungen und Briefkastenfirmen

DGB und LO beraten Strategien für die Grenzregion

Auch in Dänemark verschlechtern sich die Arbeitsbedingungen: “Leiharbeit und Werkverträge sind in der Transport- und Logistikbranche, im Hoch- und Tiefbau weit verbreitet, in der Landwirtschaft werden osteuropäische Fachkräfte zu den Bedingungen von Auszubildenden angestellt“, berichtet Kim Brandt von der dänischen Fagligt Fælles Forbund (3F) auf einer Tagung von deutschen und dänischen Gewerkschaftern aus der Grenzregion in Padborg. 3F ist mit rund 350.000 Mitgliedern die größte Gewerkschaft Dänemarks und zuständig für alle ArbeitnehmerInnen im Hoch-, Tief- und Straßenbau, im öffentlichen Dienst, Verkehr, der Industrie, Gebäudereinigung sowie Land- und Forstwirtschaft.

Ein weiteres Problem sind Arbeitsplatzverluste, die daraus resultieren, dass dänische Unternehmen ihren Sitz nach Deutschland verlagern, um hier von den Möglichkeiten des deregulierten Arbeitsrechtes, insbesondere von Werkverträgen, zu profitieren. Dazu gehört vor allem die Fleischindustrie, wie Finn Petersen von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) ausführte. Bei den vier größten Schlachthöfen, darunter Danish Crown, zählen nach seinen Angaben nur noch 5.100 Beschäftigte zur Stammbelegschaft, aber 10.500 Mitarbeiter sind zu ziemlich schlechten Bedingungen von Werkverträgen angestellt. „Das bedeutet in vielen Fällen 1.000 € brutto bei einer 48-Stunden-Woche“, so Petersen. Die NGG hat nach harten Verhandlungen jetzt mit den Arbeitgebern einen Mindestlohn ausgehandelt, den gibt es in Dänemark bisher nicht. Schwierig bleibt die Situation für Schlachtkolonnen aus den osteuropäischen Ländern.

Auch in der Transport- und Logistikbranche beobachtet Jørgen Christensen von 3F, dass dänische Unternehmen sich in Deutschland anmelden. Ihre Ausstattung bestehe oft nur aus einem Briefkasten. Die meisten Fahrer kommen aus Osteuropa und arbeiten zu Stundenlöhnen unter 10 €. „In Dänemark sind fast ein Viertel der Arbeitsplätze bei Transportfirmen verlorengegangen“, sagt Christensen. Sein deutscher Kollege Matthias Pietsch, bei ver.di für die Speditionsbranche zuständig, berichtet ebenfalls von Schwierigkeiten: „Arbeitgeber, die in Dänemark mit hohen sozialen Standards arbeiten, benehmen sich in Deutschland völlig daneben und verweigern Arbeitnehmern minimale Rechte“, kritisiert er.

Grund genug also, die Zusammenarbeit zwischen deutschen und dänischen Gewerkschaft zu verbessern, finden Susanne Uhl vom DGB Schleswig-Holstein Nordwest und Jan Thomsen von der dänischen Landsorganisationen (LO) in Aabenraa. „Wir wollen einen grenzüberschreitenden Dialog und eine stabile Zusammenarbeit der verschiedenen Branchen etablieren“. Dabei werden auch Strategien der Mitgliedergewinnung, Mitbestimmung und Tarifpolitik eine Rolle spielen. Weitere Treffen sind verabredet.

 

Eine ausführliche Dokumentation zum Workshop findet ihr hier!

 

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Jane Korczak, Vizepräsidentin von 3F während der Diskussion ph

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Susanne Uhl vom DGB ph

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Matthias Pietsch, ver.di, Marianne Wøbbe und Jørgen Christensen von 3F, sind für die Logistikbranche zuständig ph

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KollegInnen während der Konferenz ph

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KollegInnen während der Kaffeepause ph


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