Deutscher Gewerkschaftsbund

06.03.2020

DBG Initiative "Vergiss nie, hier arbeitet ein Mensch"

Beschäftigte, die mitten in der Öffentlichkeit arbeiten, werden immer häufiger Opfer von Beleidigungen, Drohungen und tätlichen Angriffen. Wir haben Negativrekorde, was die Angriffe auf Polizistinnen und Polizisten und die Beschäftigen der Bahn angeht. Wir haben aber auch eine riesige Dunkelziffer was andere Berufsgruppen angeht: Denn für sie werden Gewaltfälle nicht systematisch statistisch erfasst. Dass wir die wahren Ausmaße des Problems nicht kennen, macht das Handeln natürlich schwieriger.

Angesichts dieser Lücke ist der DGB auf Bundesebene selbst tätig geworden. In einer repräsentativen Befragung haben wir Beschäftigte zu ihren Erfahrungen mit Übergriffen befragt. Die alarmierendste Erkenntnis seht ihr hier: 67 Prozent, also mehr als zwei Drittel sind allein in den letzten zwei Jahren Opfer von Übergriffen geworden. Was unsere Umfrage auch gezeigt hat: Die Gewalt betrifft längst nicht mehr nur die Polizei und andere Sicherheitskräfte. Alle Beschäftigten im Dienst der Gesellschaft – von Müllwerkerinnen, über Lehrer bis zu Verwaltungsbeschäftigten – werden immer öfter Opfer.

Mit unserer Initiative wollen wir auf diese Situation aufmerksam machen und eine Diskussion anstossen.

Erste Aktionen gab es bei der Feuerwehr Flensburg und bei Aktiv Bus und Stadtwerken

Woran liegt das?

Der erste Grund dafür sind die schlechten Arbeitsbedingungen.
Weniger Beschäftigte müssen heute mehr leisten. Das heißt, sie sind überarbeitet und gestresst und können sich nicht immer darauf verlassen, dass ihnen Kolleginnen und Kollegen zur Seite stehen. Und es fehlt auch an der richtigen Ausstattung, z.B. an Schutzkleidung.
In den Dienststellen wird das Problem anscheinend auch noch nicht erkannt: Es gibt keine Pläne zur Gefahreneinschätzung, Räumlichkeiten sind nicht für mehr Sicherheit eingerichtet und es gibt auch keine Betreuung nach Übergriffen. Auch fehlen Schulungen, damit Beschäftigte in heiklen Situationen besser reagieren können.
Diese Erkenntnisse bestätigen auch die von uns befragten Beschäftigten, denen klare Notfallpläne und passende Hilfsangebote nach einem Vorfall fehlen.

Grund Nummer 2: Wir sehen, dass sich das gesellschaftliche Klima verändert.
Wir sehen weniger Akzeptanz und eine erhöhte Gewaltbereitschaft im täglichen Zusammenleben.Und dass Menschen anscheinend immer schneller die Geduld verlieren und gewalttätig werden, bekommen sehr oft die Beschäftigten im Dienst der Gesellschaft ab. Dazu passt, dass 92 Prozent der Beschäftigten den Respekt unter Mitmenschen vermissen.

Und der dritte Grund hängt sicherlich mit dem zweiten zusammen: Nämlich, dass der Staat und seine Leistungen seit Jahren auf dem Rückzug sind.
Es wird nicht genug investiert, es wird an Personal gespart und Menschen fühlen sich immer weniger abgesichert. Das zeigt auch die Statistik. Den Rückzug bekommen zum einen die Beschäftigten selbst zu spüren: Wegen Personalmangel sind sie überarbeitet und auf sich allein gestellt. Doch haben sie es auch immer mehr mit Bürgerinnen und Bürgern zu tun, die frustriert sind und sich vom Staat nicht unterstützt fühlen. Das steigert das Konfliktpotenzial. 72 Prozent der Beschäftigten unterstreichen diese Einschätzung.

Hier geht es zu den Seiten der Initiative des DGB Bundesvorstands

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