Deutscher Gewerkschaftsbund

17.12.2018

Was ist los beim sh:z?


„Carlo Jolly, Holger Ohlsen und Joachim Pohl übernehmen andere redaktionelle Aufgaben“, hieß es am 3. September im Tageblatt. Alle drei Flensburger Redakteure wurden versetzt: nach Leck, Husum und Schleswig. Seither sorgt die Frage „Was ist los beim sh:z?“ für Diskussionen in und um Flensburg. Überregionale Medien wie das NDR-Magazin zapp, der Deutschlandfunk, die taz und viele andere haben berichtet. Auch der DGB-Schleswig-Holstein Nordwest befasste sich im Rahmen seiner Flurgespräche mit dieser Frage. Das Interesse war groß, neunzig Gäste waren gekommen.


Bei den Güteterminen vor dem Arbeitsgericht in Flensburg hatte der sh:z unter anderem vorgetragen, dass eine zu große Nähe zwischen Journalisten und regionalen Institutionen, Verbänden, Verwaltung und Politik herrsche, die eine unabhängige Berichterstattung verhindere. „Hier ist der richtige Ort, um dieses Argument zu entkräften“ merkte DGB-Geschäftsführerin Susanne Uhl an. Der DGB gehöre als Organisation der Arbeit mit tausenden Mitgliedern ganz sicher zu den wichtigen lokalen Verbänden, komme aber in rund 92% der sh:z Berichterstattung in Flensburg gar nicht vor. „Journalisten eine zu große Nähe zu Wirtschaft und Politik zu unterstellen ist ein Verstoß gegen journalistische Grundsätze. Wenn man diesen Vorwurf nicht belegen kann, ist das ein ganz schlechter Umgang mit Menschen“, sagt Susanne Uhl. So sieht es auch Rüdiger Otto von Brocken, ver.di. Denn einer der Redakteure sei im vergangenen Jahr noch mit dem Herausgeber-Preis für besondere Leistungen geehrt worden.


„Der sh:z ist zwar leider nicht mehr tarifgebunden, hat aber eine sehr erfolgreiche und stabile Marktposition“ – betont sachlich stieg Martin Dieckmann, ver.di-Fachbereichsleiter Medien in die Debatte ein. Die Stärke des sh:z bestünde vor allem in der Konzentration auf lokale Berichterstattung. „Denn eine Grundregel sagt, je näher eine Zeitung an den Menschen dran ist, desto stabiler sind auch die Abonnenten-Zahlen“, so Dieckmann. Die Versetzungen und die Begründung dafür seien eigentlich untypisch für den sh:z. „Aber sie erscheinen mir wie eine Operation am offenen Herzen der Zeitung“. Denn mit den drei versetzten Redakteuren werde hohe journalistische Kompetenz gekappt. „Die Nachfolger brauchen zehn Jahre, um das, was hier verlorengeht, wieder herzustellen“, prophezeit der ver.di-Fachmann.


Er weist insbesondere darauf hin, dass der Tendenzschutz, unter den der sh:z als Medienverlag fällt, zwar Einfluss auf die Mitbestimmungsrechte des Betriebsrates habe, aber individualrechtliche Maßnahmen sehr wohl begründet und soziale Auswirkungen bedacht werden müssen. „Hier hat das Direktionsrecht des Arbeitgebers Grenzen“, so Dieckmann. Seine Forderung: der sh.z soll die Versetzungsmaßnahmen zurücknehmen!


Nach oben
  • Es wurden noch keine Schlagwörter zugewiesen.