Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 04.09.2020

Ulrike Herrmann: „Schrumpfen ist alternativlos“

Ulrike Hermann war im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Kein Bock auf diesen Kapitalismus?" des DGB Schleswig-Holstein Nordwest zu Besuch in Flensburg. Die Publizistin und taz-Redakteurin war vor vielen Jahren schon einmal hier und im Rahmen ihres Studiums an der Henry-Nannen-Schule Volontärin in der Flensburg-Redaktion. „Hier habe ich gelernt, was guter Lokaljournalismus ist“, sagt sie rückblickend.

Aber der eigentliche Grund für ihr Kommen ist das Unbehagen vieler GewerkschafterInnen am System des Kapitalismus. Das teilen sie mittlerweile mit vielen Bundesbürgern. Eine Studie ergab, dass nur noch jeder Achte glaubt, das bestehende System nütze ihm. Es gäbe auch keine Antworten auf die drängenden Probleme der Klimakrise und des digitalen Wandels.

In diesen Fragen ist Ulrike Hermann in ihrem Element: das kapitalistische System sei faszinierend dynamisch und hätte mit Wachstum und Wohlstand einige Fortschritte gebracht. Dazu gehöre die Demokratie, Teilhabe, Bildungsförderung und Gleichberechtigung. „Aber die Nachteile sind nicht mehr übersehbar“, sagt Ulrike Hermann. Um den Kapitalismus zu stabilisieren brauche es beständig Wachstum, der mit Energie- und Ressourcenverbrauch einhergehe. „Wir haben nur eine Erde, verbrauchen aber die Reserven und verursachen CO2-Ausstoß als hätten wir drei davon“, gibt Hermann zu bedenken.

Unsere Wirtschaftsleistung habe sich seit 1975 verdoppelt. „Wir konsumieren und kaufen, haben tausende Dinge im Haushalt, die wir gar nicht brauchen, und zufriedener sind wir auch nicht“, ist das Resumee von Ulrike Hermann.

Grünes Wachstum sieht sie skeptisch, weil es nicht gelingen kann, dass gesamte Wirtschaftssystem auf Ökostrom umzustellen. „Dafür bräuchten wir gigantische Mengen, für die Speicherkapazität fehlt oder es richtig teuer wird“, so Hermann.

Schrumpfen ist für sie die einzige Möglichkeit – und alternativlos. Das bedeute Verzicht auf Dinge, die viel Energie verbrauchen und die Umwelt, unsere Lebensgrundlage, vergiften. „Arbeit wird es genug geben, allein um die Klimaschäden zu reparieren“, rechnet sie vor, verschweigt aber auch nicht, dass es zu Einkommensverlusten käme. Leider habe sich bisher noch niemand ernsthafte Gedanken gemacht über ein entsprechendes Transformationsmodell. „Dafür wird es jetzt höchste Zeit, denn den Raubbau hält unser Planet nicht mehr lange aus“, befürchtet Hermann.

Ulrike Herrmann und Susanne Uhl

v.l.: Ulrike Herrmann, Referentin und Susanne Uhl, DGB Regionsgeschäftsführerin dgb

Runde von vorn

dgb


Nach oben