Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 19.11.2020

VertreterInnen von Kirche und Gewerkschaften: Auch Leiharbeit in der Fleischindustrie muss enden

 Das Gesetz, mit dem die schlimmen Zustände in der Fleischindustrie eingedämmt und Werkverträge und Leiharbeit verboten werden sollen, ist in Berlin ins Stocken geraten. Der schleswig-holsteinische Landtag hat sich in der Vergangenheit regelmäßig mit dem Thema beschäftigt und es deshalb für Freitag auf die Tagesordnung gesetzt.  

Besonders gegen das Verbot von Leiharbeit in der Fleischverarbeitung läuft die Fleischlobby Sturm. VertreterInnen von Kirchen und Gewerkschaften im Norden, die schon seit Jahren gemeinsam gegen Missstände bei Arbeitsbedingungen und Unterkünften kämpfen, haben nun den zuständigen Sozialminister Heiner Garg und die Landtagsabgeordneten gebeten, sich in Berlin eindeutig dafür einzusetzen, das geplante Verbot nicht aufzuweichen.  

„Wie wichtig es ist, dass das Gesetz schnell und ungeschmälert verabschiedet wird, zeigt sich auch in Husum“ sagt Pastor Friedemann Magaard. „Seit klar wurde, dass es Anfang kommenden Jahres Werkverträge verbieten wird, werden die Initiativen zur Integration der Beschäftigten positiv aufgegriffen – auch wenn noch Wegstrecke vor uns liegt.“ 

Wie wichtig es aber ist, dass neben Werkverträgen auch Leiharbeit verboten wird, zeigt sich am Beispiel der Fleischverarbeitung in Betrieben im Norden Schleswig-Holsteins, wo Beschäftigte in Werkverträgen nun Leiharbeitsverträge vorgelegt bekommen. Denn die meisten Subunternehmen, die bisher schon durch ausbeuterische Bedingungen aufgefallen sind, haben auch eine Erlaubnis für Leiharbeit. „Sie könnten mit Leiharbeit statt Werkverträgen weitermachen wie bisher. Das darf nicht sein“, kritisieren Pastor Jens Haverland vom Kirchenkreis Rantzau-Münsterdorf und Heike Riemann vom Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt. Eine Leiharbeitserlaubnis von der Arbeitsagentur zu bekommen sei unproblematisch und keineswegs ein Ausweis von Seriosität oder Zuverlässigkeit. 

Außerdem sind die Übergänge zwischen Werkverträgen und Leiharbeit schon jetzt fließend, wie Susanne Uhl vom DGB betont: „Die Beschäftigten wissen oft gar nicht, in welchem Arbeitsverhältnis sie stehen, weil sie auf dem Firmengelände von sogenannten On-Site-Managern hin und her verschoben werden und als Leiharbeiter in Wirklichkeit alles andere sind, als in den Betrieb des Entleihers integriert, wie es das Gesetz vorsieht“.  

Das Argument der Arbeitgeberverbände, nur mit Leiharbeit könnte saisonaler Hochbetrieb abgefedert werden, ist dabei vorgeschoben. „Wenn es diese Saisonspitzen denn gibt, bieten Arbeitszeitkonten oder befristete Verträge genügend Alternativen“, sagt Finn Petersen von der NGG. Das Verbot von Leiharbeit sei daher genauso wichtig wie das für Werkverträge, wenn es ernst gemeint sei, die Bedingungen bei Arbeit und Unterkunft in der Fleischindustrie zu verbessern. 

Anlage: Schreiben an die Landtagsabgeordneten als pdf.

 


Nach oben