Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 11.07.2007

"Statt Muttermythos neues Vaterbild"

"Statt Muttermythos neues Vaterbild"
Mit dem Geburtenrückgang in Deutschland beschäftigten sich der Deutsche Gewerkschaftsbund und die Beratungsstelle Frau & Beruf in Flensburg. Sie wollten überprüfen, ob diese Entwicklung tatsächlich so dramatisch ist, wie sie vielfach dargestellt wird. Dazu hielt Dr. Barbara Stiegler, Wissenschaftlerin bei der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn vor mehr als 40 TeilnehmerInnen im TGZ einen Vortrag. "Mit einer Geburtenrate von 1,51 Kindern auf 1000 gebärfähige Frauen liegt Flensburg über dem Bundesdurchschnitt von 1,34", hob Stiegler hervor. Sie hält die Schreckensmeldungen und Ängste, die mit der demografischen Entwicklung einhergehen für nicht gerechtfertigt. "Wir haben keinen demografischen Ausnahmezustand, in dem alle sozialen Sicherungssysteme und die wirtschaftliche Leistung der Republik auf dem Spiel stehen", so Stiegler. Es komme nicht nur auf das Verhältnis der Erwerbstätigen zu den Rentnern an, sondern auch darauf, wer einzahlt und wie viel.

Die Geburt eines Kindes habe aber auch mit der Geschlechterordnung zu tun. Stiegler widersprach dem besonders von Eva Hermann erhobenen Vorwurf, die Frauen hätten es mit der Emanzipation übertrieben und ihre "eigentliche Bestimmung" als Mutter vernachlässigt. "Die Männer tauchen in keiner Statistik auf, dabei ist gerade bei ihnen der Kinderwunsch dramatisch zurückgegangen", so Stiegler. Einer Umfrage zufolge wollen 43% der Männer unter 35 Jahren keine Kinder, so dass man nicht über einen neuen Muttermythos, sondern über ein neues Vaterbild für Kinder diskutieren sollte.

Daneben gibt es aber nach Auffassung von Dr. Barbara Stiegler auch politische Maßnahmen, die die Bereitschaft zum Kind erhöhen. Dazu gehören die Erweiterung des Familienbildes und eine Veränderung des Vater- und Mutterbildes, eine Veränderung von Arbeitsanforderungen bei Vater-. und Mutterschaft und vor allen Dingen gesicherte Existenzmöglichkeiten für Väter und Mütter.

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Dr. Barbara Stiegler bei ihrem Vortrag im TGF. Foto: Perke Heldt



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