Deutscher Gewerkschaftsbund

PM Equal Pay - 17.06.2011

DGB fordert Mut in der Gleichstellungspolitik

„Der erste Gleichstellungsbericht der Bundesregierung liefert eine gute Blaupause für eine moderne Gleichstellungspolitik der Zukunft. Konsequent umgesetzt fördert sie die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen im Erwerbsleben und in Führungspositionen und verbessert die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Wir brauchen jetzt mehr Mut bei der Gleichstellungspolitik. Heute prägen Minijobs, unfreiwillige Teilzeit und Niedriglöhne den Berufsalltag vieler Frauen“, erklärte Ingrid Sehrbrock, stellvertretende DGB-Vorsitzende, zum Beschluss des Gleichstellungsberichts im Bundeskabinett am heutigen Mittwoch.

„Gleichstellungspolitik aus der Lebensverlaufsperspektive ist ein wichtiger neuer Ansatzpunkt. Gerade an den Übergängen, sei es von der Schule in den Beruf oder von der Familienzeit in die Erwerbstätigkeit, werden Entscheidungen getroffen, die sich auf den gesamten Lebenslauf auswirken. Institutionelle Rahmenbedingungen wie zum Beispiel das Ehegattensplitting sollten negative Auswirkungen für Frauen beim Übergang in verschiedene Lebensphasen vermeiden. Das Gegenteil ist leider Realität.

Auch der eklatante Mangel an qualitativ hochwertiger bedarfsgerechter Infrastruktur – ob Kita oder Ganztagsschule – verhindert durchgängige Erwerbsbiographien von Frauen. Will der Staat die Frauen-Erwerbsquote ernsthaft erhöhen, muss er diese Rahmenbedingungen deutlich verbessern.

Drei Viertel der Frauen, die eine Rückkehr in den Arbeitsmarkt anstreben, wollen so die  Existenz der Familie sichern und eigene Altersarmut vermeiden. Deshalb brauchen wir einen gesetzlichen Mindestlohn von mindestens 8,50 Euro die Stunde, sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse, eine wirklich lebbare Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Pflege und im Steuerrecht die Abschaffung des Ehegattensplittings. Gerade das Ehegattensplitting fördert die Nicht-Erwerbstätigkeit von Frauen. Das ist aus Sicht der Gleichstellung fatal.

Und auch bei der Frauenquote gilt: Die Zeit der folgenlosen Absichtserklärungen ist vorbei. Vor zehn Jahren haben die Spitzenverbände der Wirtschaft eine freiwillige Selbstverpflichtung unterschrieben. Diese hat faktisch nichts bewirkt. Unternehmen unterzeichnen solche Erklärungen, ohne sie in die Praxis umzusetzen. Wir brauchen eine gesetzlich festgeschriebene Frauenquote in Vorständen und Aufsichtsräten.“

 


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