Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 18.05.2020

Gewerkschaften zur Öffnung von Hotels und Restaurants „Gesundheitsschutz geht vor Umsatz“

Ab heute sind Fähren und Autozüge wieder voll: auch auf den Inseln werden wieder erste Gäste erwartet. Voraussetzung ist: Ferienwohnungsvermieter, Hotelbetreiber und Gastronomen können Hygienekonzepte vorlegen. Susanne Uhl, Geschäftsführerin des DGB Schleswig-Holstein Nordwest und Finn Petersen, Geschäftsführer der Gewerkschaft NGG Region Schleswig-Holstein Nord, sehen die Öffnung mit gemischten Gefühlen.

Für Susanne Uhl muss der Gesundheitsschutz für alle Beschäftigten oberste Priorität haben: „Auch wenn viele Betriebe unter wirtschaftlichem Druck stehen, darf das nicht zu Lasten des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten gehen. Auch UrlauberInnen müssen sich sicher sein können, dass sie sich gesund erholen können und nicht krank nach Hause zurückkehren. Deshalb geht Gesundheitsschutz vor Umsatz – ausnahmslos.“ Uhl weist auch darauf hin, die Reinigungskräfte mit im Blick zu haben und dafür zu sorgen, dass diesen ausreichend Zeit, Schutzkleidung und Desinfektionsmaterial zur Verfügung steht.

Finn Petersen weist auf die prekäre Situation vieler HoGa-Beschäftigter hin:  „Für viele Beschäftigte hat sich wieder eine Perspektive geöffnet. Wer bisher nur von Kurzarbeitergeld gelebt hat, kann auf mehr hoffen. Das ist für einige eine Frage der wirtschaftlichen Existenz. Sie haben teilweise nur 800 Euro bekommen und mussten Hartz IV beantragen, um über die Runden zu kommen. Umso wichtiger ist es jetzt, dass Betriebe ihre Beschäftigte auch fair bezahlen. Jeder Arbeitsstunde muss voll entlohnt werden. Es geht nicht, dass Betriebe ihre Leute weiter nur Kurzarbeitergeld auszahlen lassen, obwohl sie mehr zu tun haben. Da wird mancherorts jetzt schon wieder auf Hochtouren geackert, ohne dass sich das auf dem Lohnzettel bemerkbar macht.“

Anders als in anderen Bundesländern hat das Land Schleswig-Holstein keine Begrenzung der Beherbergungskapazitäten vorgenommen. DGB und NGG befürchten, dass dadurch die Abstands- und Hygieneregeln beispielsweise in Hotels nicht eingehalten werden können.

NGG und DGB fordern

- eine penible Einhaltung der Gesundheitsvorschriften in allen Betrieben
- umfassende Kontrollen der Schutzmaßnahmen durch die Behörden
- ein landesseitig aufgestocktes Kurzarbeitergeld Plus, mit dem die Zahlungen vom Bund
  ab dem ersten Monat auf mindestens 80 Prozent erhöht werden


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