Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 27.01.2020

Nur verwählt, oder was?

 Das Parteiensystem hat sich verändert. Die Volksparteien alter Schule verlieren bei Wahlen und eine neue Partei rechts von der Union etabliert sich. „Die Rechten tun so, als würde durch sie endlich gesagt werden dürfen, was bisher als Tabu galt. Wenn sie aber falsche Behauptungen aufstellen oder Menschen pauschal verunglimpfen, müssen sie mit Widerspruch und politischer Auseinandersetzung rechnen. Das ist Demokratie“ sagte DGB-Geschäftsführerin Susanne Uhl auf einer Veranstaltung mit zahlreichen TeilnehmerInnen in Flensburg.

 

 

Horst Kahrs

Horst Kahrs von der Rosa- Luxemburg- Stiftung dgb

Mit Blick auf die Wählerschaft, erklärte Horst Kahrs, der bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung das Wahlverhalten beobachtet, gäbe es in Zeiten des Umbruchs das verstärkte Gefühl, traditionelle Gewissheiten zu verlieren, wie sie im Westen gelebt und im Osten erhofft wurden. „Menschen fühlen sich enttäuscht und deklassiert. Und daraus entsteht nicht nur berechtigte Empörung, sondern auch Groll und Ressentiment.“ Darüber hinaus gelinge es der AfD auch, in Ost und West fortlebende völkische, auch rassistische Mentalität zu sammeln.

 

Gewählt werde sie von allen sozialen Schichten, jedoch weitaus weniger von Frauen. „Es sind die berufstätigen Männer, die bis zu 30 Prozent die AfD gewählt haben“, sagt Kahrs. Nach einer Umfrage sind die Gründe dafür auch in den Arbeitsbedingungen zu finden. Zielvereinbarungen, die nicht zu schaffen sind, ständige Umstrukturierungen aus Konzernzentralen in aller Welt, Leih- und befristete Arbeitsverträge, kurzum: das Bild von Machtlosigkeit und Kontrollverlusten bei der Arbeit werde auf die Gesellschaft übertragen.

 

Außerdem gäbe es eine Verschiebung von Industrie- zu Wissensarbeit mit anderen Qualifikationen und Fähigkeiten. „Das wird in der globalisierten Wirtschaft als Bedrohung empfunden und erzeugt Ängste. Der Mensch verändert sich langsamer als die Technik – und irgendwann hat er die ständigen Veränderungen einfach satt“, lautet ein Erklärungsmuster von Horst Kahrs. Wenn dann die Bindungskraft der Volksparteien nachlässt, könne eine rechte Partei punkten.

 

„Angst ist in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche jedoch ein falscher Berater“, betonen Kahrs und Uhl. Die politische Debattenkultur müsste sich ändern und nicht ständig verbal neue Krisen heraufbeschwören. Vielmehr müsse aufgezeigt werden, dass mithilfe von Betriebsräten, Kommunalpolitikern oder verbesserter Bürgerbeteiligung viele Möglichkeiten bestehen, den Lebens- und Arbeitsalltag zu gestalten. „Zukunftspessimismus ist keine Option und eine rechte Partei, deren einzige Qualität ist, den politischen Tabubruch zu behaupten, ist auch nicht“, betonen die Gewerkschafterin und der Wissenschaftler.

 

 

 

 

 


Nach oben
dgb
dgb