Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 11.03.2005

Wettbewerb um Arbeitszeit kennt nur Verlierer!

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40, 44 oder sogar 50 Stunden" die wirtschaftlichen Experten überbieten sich in der Forderung nach wöchentlicher Arbeitszeitverlängerung. Nur so könne die Wirtschaft wieder in Schwung gebracht werden."Das Gegenteil ist richtig?, machte DGB-Regionsvorsitzender Karsten Wessels auf einer Tagung mit 50 Betriebsräten in Itzehoe klar. Nach seinen Berechnungen würde eine Stunde Mehrarbeit in der Region den Verlust von 4000 Arbeitsplätzen bedeuten.
Haben wir zu kurze Arbeitszeiten? Diese Frage beantwortete Dr. Thorsten Schulten vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut der Hans-Böckler-Stiftung mit einem klaren"Nein?. Die tarifliche Wochenarbeitszeit liege mit 37,7 Stunden im europäischen Durchschnitt. Effektiv werde aber schon 39,9 Stunden gearbeitet, und zwar sehr flexibel. Das zeige die Zunahme bei der Samstags-, Sonntags- und Nachtarbeit sowie bei den Wechselschichten. Tarifverträge ermöglichen längst erhöhte Arbeitszeiten zwischen 35 und 40 Stunden, sie sehen Arbeitszeitkorridore ebenso vor wie eine Absenkung zur Beschäftigungssicherung."Wir sind nicht Freizeitweltmeister, sondern Flexibilitätsweltmeister?, so Dr. Thorsten Schulten. Fast zwei Drittel der deutschen Betriebe haben bereits Arbeitzeitkonten. Auch ein Blick auf die Entwicklung der Lohnstückkosten zeigt, dass Deutschland im europäischen Vergleich gut dasteht: Eine Steigerung von nur 4% gegenüber 11% in Frankreich und den USA und sogar 27% in England und Holland erklärt, warum Deutschland auch im vergangenen Jahr wieder Exportweltmeister war."Den Befürwortern einer Zeitenwende geht es um drastische Lohnsenkungen, die Arbeitszeit dient lediglich als Vehikel dazu?, behauptet Dr. Thorsten Schulten. Ein arbeitszeitpolitischer Wettlauf in Europa würde uns alle zu Verlieren machen.
Damit war Otto Fubel vom Unternehmensverband Westküste nicht einverstanden. Er wies auf die Lohnnebenkosten hin und machte deutlich, dass es heutzutage keine feste Menge an Arbeit mehr gäbe, die verteilt werden könne. Auch finde der Wettbewerb nicht nur innerhalb Europas statt. Er plädierte für neue Produktideen."Nur wenn wir besser sind als die anderen, haben wir Chancen auf mehr Wachstum?, so Fubel. Dazu müssen wir in die Bildung investieren, sonst fehlen uns die qualifizierten Arbeitskräfte. Tarifverträge seien flexibel genug.
Aus den Reihen der Unterelbe-Betriebsräte wurde auf die gestiegene Produktivität der geleisteten Arbeit hingewiesen."Was früher mehrere Kollegen geleistet haben, muss ich heute alleine schaffen und bekomme weniger Geld dafür?, beschreibt Volker Blaschke von der Bahn seinen Alltag. Die Leistungsverdichtung mache die Leute krank."Noch mehr Arbeit ist nicht drin.?

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