Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 10.03.2009

Frauen verdienen 22% weniger als Männer

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In den 50er Jahren galten Frauen als physisch und psychisch weniger belastbar und ihre berufliche Leistung als „Minderleistung“, es gab Leichtlohngruppen und weniger Geld für Frauenarbeit. Heute ist es längst gesetzliche und soziale Norm, die Arbeitsleistung von Frauen und Männern als gleichwertig anzuerkennen. „Dennoch verdienen Frauen in Deutschland durchschnittlich 22% weniger als Männer. In kaum einem anderen EU-Land ist das Lohngefälle so groß wie bei uns“, kritisiert DGB-Regionsvorsitzender
Karsten Wessels
. Nur auf Zypern, in Estland und der Slowakei werden die Frauen schlechter bezahlt.




Mit einem Infostand machte der DGB-Ortsverband Heide aus Anlass des Internationalen Frauentages unter dem Motto „Ich bin mehr wert!“ auf die Ungleichheit bei den Löhnen von Frauen und Männern aufmerksam



Ursache für die Ungerechtigkeit bei Berufsaussichten, Karrierechancen und Einkommen von Frauen sind strukturelle und kulturelle Faktoren, die sich gegenseitig verstärken. „Ein wichtiger Grund ist die traditionelle Rollenverteilung, Frauen unterbrechen familienbedingt deutlich häufiger und länger als Männer ihre Erwerbstätigkeit“, so
Karsten Wessels
. Frauen reduzieren nach der Geburt eines Kindes die Berufstätigkeit, Männer steigern sie häufig in dieser Zeit und ziehen auf der Karriereleiter und beim Einkommen an den Frauen vorbei. Das macht sich dann besonders bei individuellen Aspekten der Arbeitsbewertung wie Sondervergütungen, Prämien und Zulagen bemerkbar.




Ein weiterer Grund für die Einkommensungerechtigkeit ist nach Untersuchungen des DGB Jahren eine grundlegende Umstrukturierung der Wirtschaft. Projektarbeit, Outsourcing, Privatisierung gehen mit weitreichenden betrieblichen Folgen und häufig auch dem Wegfall der Tarifbindung einher. „Das hat zu einem Verdrängungswettbewerb auf dem Arbeitsmarkt geführt, der sich für Frauen nachteiliger auswirkt. Frauen arbeiten häufiger in schlecht bezahlten Branchen und werden in die Rolle einer „Zuverdienerin“ zurück gedrängt“, bedauert Perke Heldt. Viele Frauen arbeiten in Teilzeit – und gerade die Dauer der Arbeitszeit spielt bei der Entgeltgerechtigkeit eine wichtige Rolle. Beispiel: Minijobs, von denen es in Dithmarschen 10.800 gibt. Hier wurde 2005 die Arbeitszeitbegrenzung aufgehoben. „Ein Einfallstor für Dumpinglöhne“, so
Karsten Wessels
.




Gewerkschaften arbeiten seit Jahren daran, gleiches Entgelt für gleichwertige Arbeit zu erreichen. „Das beginnt bei Arbeitsbewertungsverfahren, bei der Besetzung von Tarifkommissionen und der Formulierung von Tarifverträgen und hört bei der Schulung von Betriebs- und Personalräten auf, damit sie Ungleichbehandlungen in Betrieben und Verwaltungen besser erkennen können“, so
Karsten Wessels
. Vorurteile sind abgebaut – immerhin 90 % der Bevölkerung sind der Meinung, dass Frauen und Männer selbstverständlich gleich bezahlt werden sollten. „Die Umsetzung in der Wirtschaft dauert etwas länger“.


 

 

 

 

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