Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 11.02.2019

FSG: Die nächsten Wochen sind entscheidend

Ein bisschen hat sich die Spannung auf der Werft in Flensburg gelöst. „Wir sind froh, dass die Insolvenz abgewendet werden konnte“, sagt Betriebsratsvorsitzender Thomas Jansen, „aber wir sind immer noch in einer Schieflage und ob wir die meistern können, entscheidet sich in den nächsten Wochen“.

Der DGB hatte zu einer Info-Veranstaltung eingeladen – ins alte Gewerkschaftshaus an der Roten Pforte, wo die Stimmung in den ausgeräumten Büros zum Thema passte. TeilnehmerInnen aus Flensburger Betrieben und Verwaltungen wollten sich über die Lage der Werft aus der Sicht der Belegschaft informieren. Die hat schon 2016 zur Konsolidierung in einer Krise beigetragen. So erinnerte Thomas Jansen daran, dass die Kollegen für drei Jahre auf 5,5 Prozent ihres Gehalts verzichtet hätten, Überstunden nicht ausbezahlt und 100 Mitarbeiter entlassen wurden.

„Damit ist aber auch Know-How verloren gegangen, das nicht ersetzt werden konnte - schon gar nicht durch die zahlreichen Werkverträge und Leiharbeitsfirmen“, so Jansen. Der Betriebsrat habe immer wieder in Gesprächen mit der Geschäftsführung auf die notwendige Qualitätsverbesserung hingewiesen, ohne die weder Budgets noch Termine eingehalten werden könnten. „Aber wir sind auf taube Ohren gestoßen und einen autoritären Führungsstil, der jede Kritik und jeden Verbesserungsvorschlag ins Leere laufen ließ“, sagt der IG Metall-Vertrauensmann Marlo Bo Hennings. „Das geht irgendwann an Kern-Kompetenzen einer Werft, denn die besten und wichtigsten Mitarbeiter gehen dann von Bord. Es wird schwer sein, die wieder zurück zu holen.“

Susanne Uhl, DGB-Geschäftsführerin sieht ein Problem darin, die vielen Schnittstellen zwischen Stammbelegschaft und Werkvertragsunternehmen zu koordinieren. „Die dürfen ja nicht mal miteinander reden, um Arbeitsabläufe zu organisieren. Darunter muss die Qualität leiden, was teuren Nachbesserungen führt“, kritisiert sie, „das sollte betriebswirtschaftlich mal ganz genau untersucht und nachgerechnet werden“. Für Michael Schmidt, Bevollmächtigter der IG Metall, ist die spannende Frage, auf welche Segmente im Schiffbau sich die FSG ausrichten wird. „Dazu hat die Geschäftsführung bisher noch nichts gesagt und keinen Plan vorgestellt“.

Jansen und Hennings sehen dennoch ein kleines Licht am Ende des Tunnels, denn die Kommunikation mit der jetzigen Geschäftsführung habe sich verbessert. „Da ist Gesprächsbereitschaft und auch ein offenes Ohr für unsere Vorschläge“, sagt Thomas Jansen.

 


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