Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 14.04.2020

Reinigungskräfte: Unsichtbar und ohne Wertschätzung

Sie sind in Corona-Zeiten die Helden des Alltags, die Beschäftigten in Krankenhäusern und Altenheimen, im Rettungsdienst oder Einzelhandel. Eine Branche fehlt immer in der Aufzählung, obwohl ohne sie gar nichts geht: die Gebäudereinigung. „Dabei sind wir es, die auf der Intensivstation oder im Alten- und Pflegeheim dafür sorgen, dass alles hygienisch einwandfrei gereinigt wird, um das Virus einzudämmen“, sagt Erik Bordel. Er ist Betriebsrat bei der Diako Service GmbH und beklagt nicht zum ersten Mal die fehlende Wertschätzung für die Arbeit seiner KollegInnen. „Wir geben unser Bestes, leisten schwere, aufwändige Arbeit. Trotzdem sind wir irgendwie unsichtbar und werden kaum erwähnt“, beklagt Erik Bordel.

Er berichtet von großer Anspannung unter seinen KollegInnen, die sich mit dafür verantwortlich fühlen, dass das Virus sich nicht weiter ausbreitet. Dafür müsse im jetzigen Ausnahmezustand noch sorgfältiger gearbeitet werden als ohnehin schon. Arbeitgeber bereiten ihr Personal unterschiedlich auf die neuen Herausforderungen vor. Aber Erik Bordel berichtet, dass in einigen Bereichen die Schutzkleidung knapp wird. “Reinigungskräfte aus den Altenheimen nähen sich schon selbst einen Mundschutz und sind hochmotiviert und engagiert bei der Arbeit. Dafür brauchen wir mehr Anerkennung und auch angemessene Löhne“, fordert Erik Bordel. Deshalb hat er sich gemeinsam mit seiner Kollegin Hella Potratz und der Betriebsrätin Edeltraud Westphal von Malta Clean Service an die Abgeordneten des Landtages gewandt. „Wir möchten, dass der Landtag ein Signal setzt und die Arbeit der Reinigungskräfte würdigt“, schreiben die Betriebsräte.

Dafür setzt sich auch Susanne Welzk ein, die bei der IG BAU für die Gebäudereinigung zuständig ist. Sie bekommt aus der Branche immer öfter zu hören, dass Beschäftigte ohne Lohn nach Hause geschickt werden, weil im Zuge der Corona-Vorsorgemaßnahmen Objekte geschlossen werden. „Wenn Arbeitsaufträge wegfallen, darf das Problem nicht einfach auf die Beschäftigten abgewälzt werden. Eine Alternative wäre der Einsatz in anderen Objekten“, so Welzk. Um rechtlich auf Nummer sicher zu gehen, empfiehlt sie, dem Arbeitgeber die Arbeitskraft schriftlich anzubieten. Die IG Bau hat dafür ein Muster-Formular vorbereitet.

„Für die Minijobs gelten mit Ausnahme von Kurzarbeitergeld übrigens die gleichen Rechte wie für alle anderen ArbeitnehmnerInnen auch“, sagt DGB-Geschäftsführerin Susanne Uhl hin. Sie rät, keine Aufhebungs- oder geänderte Arbeitsverträge zu unterschreiben, die wegen der Corona-Krise vorgelegt werden. „Die sollten immer erst rechtlich überprüft werden“.

In Schleswig-Holstein arbeiten 15.000 Beschäftigte sozialversicherungspflichtig in der Gebäudereinigung, davon 10.600 in Teilzeit, mehr als 6.600 in einem Minijob. Der Branchen-Mindestlohn beginnt bei 10,80 € und reicht nicht für ein finanzielles Polster in Krisenzeiten oder für eine ausreichende Altersvorsorge. DGB-Geschäftsführerin Susanne Uhl appelliert deshalb an alle Betroffenen dringend, staatliche Hilfen von Aufstockung bis Wohngeld auch in Anspruch zu nehmen. Informationen dazu gibt es auf der Internetseite des DGB: www.sh-nordwest.dgb.de


Nach oben