Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 132 - 03.07.2020

Karstadt muss bleiben!

Natürlich waren sie alle fassungslos, die Beschäftigten und Betriebsräte von Karstadt, als am 19. Juni die Schließung ihrer Filiale verkündet wurde. „Aber wir sind auch überwältigt von der großen Solidarität der Kunden aus Flensburg, dem Umland und Dänemark“, sagten Regina Loewe, Christiane Jepsen und Ole Hühnken vom Karstadt-Betriebsrat auf einer DGB-Veranstaltung in Flensburg. Gekommen waren dazu auch Vertreter der Stadtpolitik und der Parteien.

Mehr als 13.000 Unterschriften wurden für den Erhalt der Filiale in der Innenstadt gesammelt. „Kunden haben uns Blumen und Pralinen gebracht und sogar Gedichte geschrieben, das hat uns aufgerichtet und wir bedanken uns dafür herzlich“, sagt Regina Loewe. Sie ist, wie viele ihrer KollegInnen seit über 30 Jahren bei Karstadt und wird weiter für den Standort kämpfen.

In Flensburg werden schwarze Zahlen geschrieben, aber dennoch wird die zukünftige Entwicklung negativ gesehen, dabei ist Karstadt ein Kaufhaus für Jung und Alt mit einem qualitativ guten Warenangebot, das Kunden aus weit und fern zum Einkaufen in Flensburg animiert. „Wir kämpfen weiter und mit der großen Unterstützung von so vielen BürgerInnen haben wir auch Hoffnung“, sagen die drei Betriebsräte stellvertretend für die Beschäftigten.

Dabei ist ihnen die Unterstützung der Gewerkschaften sicher. Ute Dirks, ver.di-Geschäftsführerin berichtete, dass in den letzten Tagen sechs Karstadt-Filialen von der Schließungs-Fokusliste des Konzerns gestrichen wurden und weiterbestehen werden. „Dazu muss demnächst auch Flensburg gehören. Eine Voraussetzung dafür ist aber, dass mit den Vermietern des Gebäudes verhandelt und die Miete reduziert wird“, sagt sie. Denn Eigentümer mit gesundem Menschenverstand dürften kein Interesse an einem Leerstand des Gebäudes mit 11.000 qm haben. Die Stadt sei gefordert, darüber nachzudenken, ob die Verkehrsströme günstiger gelenkt werden können. „Und ich appelliere an alle Kunden: kauft bei Karstadt, damit die Zahlen weiter stimmen“, appelliert Ute Dirks.

Für den DGB-Vorsitzenden Joachim Sopha ist es wichtig, dass sich möglichst kurzfristig ein runder Tisch mit den Akteuren aus Einzelhandel, Politik, Gewerkschaften, Verkehrs- und Stadtentwicklern bildet. Der sollte alle Vorschläge des stationären Einzelhandels in Flensburgs Innenstadt zusammentragen. „Denn nur gemeinsam werden wir die nötige Entschlossenheit aufbringen, Karstadt in Flensburg zu erhalten und der gesamten Innenstadt perspektivisch eine gute Entwicklung zu ermöglichen“, sagt Sopha.

Diese Anregung nahm Bürgermeister Henning Brüggemann auf und versprach die Koordinierung. Auch die Stadt sei bereits aktiv geworden, um Karstadt zu retten, ebenso wie die Landesregierung und der Städtetag. „Die Akteure in der Stadt sind bekannt, aber die Eigentumsverhältnisse bei Karstadt sind unklar“, sagt Brüggemann. Man wisse nicht, wer da eigentlich verantwortlich ist.

Das bestätigt auch DGB-Geschäftsführerin Susanne Uhl. Nach ihrem Wissen sind verschiedene Kapitalgesellschaften involviert, die alle nicht vor Ort sitzen. Auch tauchen immer wieder unterschiedliche Eigentümernamen auf. „Möglicherweise ist die Intreal International Real Estate Kapitalanlagengesellschaft mit Sitz in Hamburg auf Eigentümerseite der richtige Ansprechpartner“, sagt sie. Als Verwalter ist wohl die Corpus Sireo Real Estate in Köln eingesetzt und auch der Parkhaus-Eigentümer, ein Fonds mit Sitz in Stuttgart muss an den Tisch. „Es ist unglaublich wie intransparent die Immobilienbesitzer-Strukturen der Flensburger Karstadt-Filiale sind“ kritisiert Uhl und fordert die beteiligten Unternehmen auf, endlich die richtigen Ansprech- und Verhandlungspartner offenzulegen.

 

dgb

Joachim Sopha, DGB Vorsitzender in Flensburg, war einer von 33 BesucherInnen der Hofgespräche - die waren "ausgebucht" dgb

dgb

Unter dem Zeltdach... dgb

dgb

Ute Dirks, Geschäftsführerin von ver.di Nordwest streitet an der Seite der Beschäftigten dgb

dgb

kämpferische BetriebsrätInnen: Karstadt Flensburg muss bleiben! dgb


Nach oben