Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 29.05.2008

Immer mehr Frauen arbeiten für Niedriglöhne DGB-Frauen fordern Mindestlohn

Pressemitteilung
Immer mehr Frauen arbeiten für Niedriglöhne
DGB-Frauen fordern Mindestlohn
Immer mehr Menschen arbeiten im Niedriglohnsektor mit Stundenlöh-nen weit unter 7,50 €. "Ihr Anteil an den abhängig Beschäftigten ist seit 1995 von 15 auf 22 % gestiegen" erläuterte Dr. Karen Jaehrling vom Institut für Arbeit und Qualifikation (IAQ) an der Universität Duisburg-Essen auf einer Veranstaltung der DGB-Frauen in Flensburg.
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Jaehrling brachte neue Erkenntnisse aus einer Untersuchung des IAQ mit: Die Struktur der Niedriglohnbeschäftigung ist weiblich, drei Viertel haben eine Berufsausbildung und sind zwischen 25 und 54 Jahren alt. Die Perspektive in besser bezahlte Beschäftigung zu gelangen hat abgenommen, Arbeitslosigkeit aus dem Niedriglohnsektor ist angestiegen - und die niedrigen Löhne werden noch niedriger.
"Diese Entwicklung ist auch in der Stadt Flensburg und dem Kreis Schleswig-Flensburg an der rasant gestiegenen Anzahl von Minijob zu beobachten", erläuterte DGB-Regionalsekretärin Perke Heldt. Für Minijobs gibt es keine Arbeitszeitgrenze mehr, das drückt auf die Stundenlöhne. "82 Stunden für 400 € in der Pflege - das macht einen Stundenlohn von 4,87 € - sind keine Seltenheit", beklagte Perke Heldt ein Beispiel für Lohndumping aus der Region.
Auch Katharina Petersen von Frau & Beruf stellte fest, dass in ihrer Beratungsstelle seit Einführung der "Hartz-Gesetze" immer mehr Frauen mit der bloßen Existenzsicherung Probleme haben. "Die Mini-Jobberinnen haben es am schwersten, ihnen wird teilweise die Lohn-fortzahlung bei Krankheit und Urlaub vorenthalten und das Arbeitsrecht mit Füßen getreten". Minijobs verdrängen reguläre Beschäftigung, im Handel wird das besonders deutlich. "In Flensburg sind dort nur noch 102 Beschäftigte sozialversicherungspflichtig, aber 1100 in Minijobs", so Petersen.
"Arm trotz Arbeit" - das Problem kennt auch Maike Jöhnk von der Schuldnerberatung der Stadt Flensburg. "Ursachen für Verschuldung sind aber auch Arbeitslosigkeit, Trennung und Scheidung, von denen Alleinerziehende und Kinderreiche überproportional betroffen sind", so Jöhnk. Ihre Warteliste ist lang und nach jeder RTL-Sendung "Raus aus den Schulden" melden sich mehr Betroffene. "Erstaunlich ist, dass sich überwiegend Frauen an uns wenden - nicht für sich selbst, sondern um für Verwandte und Freunde aktiv zu werden", erklärt Maike Jöhnk.
"Von Arbeit muss man leben können", forderte Dr. Margret Schütte vom Frauenrat bei ver.di Schleswig-Holstein Nordost. Sie machte sich für die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohnes stark. "Davon würden die Frauen in hohem Maße profitieren und hätten mehr Geld im Portemonnaie", so Schütte.

Minijobs Stadt Flensburg: 9.736
Minijobs Kreis Sl-Fl 13.377
Stand: Okt. 07

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