Deutscher Gewerkschaftsbund

05.12.2019

DGB: Solidarität mit Reinigungskräften


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PM - 06.12.2019

Wider die Arbeitshetze!

Sie sind frühmorgens oder spätabends unterwegs; wir alle sehen das Ergebnis ihrer Arbeit, aber fast nie die Menschen, die sie verrichten. Die Rede ist von Gebäudereiniger*innen. Kaum jemand weiß, wie Arbeitsintensität, Druck und Hetze in dieser Branche in den vergangenen Jahren zugenommen haben. Deshalb hat der DGB Flensburg sie in den Mittelpunkt der traditionellen Flurgespräche im Gewerkschaftshaus gestellt. 

„Die Reinigung im Krankenhaus, auf der Werft, in der Brauerei, den Hochschulen oder in den vielen Büros ist ein Knochenjob“, erläutert Susanne Welzk von der In-dustriegewerkschaft Bauen, Agrar, Umwelt (IG BAU).  Dass er die Beschäftigten verschleißt, könne man an den hohen Krankenständen ablesen. Dabei gehe es nicht nur um kaputte Knochen und Gelenke, sondern immer häufiger um psychi-sche Erkrankungen. „Unsere Leute wollen ihre Arbeit gut machen und saubere Qualität abliefern“, so Welzk. Das sei aber schwierig, wenn in der gleichen Zeit immer größere Flächen zu reinigen sind. Teilweise würden Vorgaben gemacht, die unmöglich zu schaffen seien, kritisiert Susanne Welzk. 

„Diesen Spagat zwischen dem eigenem Arbeitsanspruch und viel zu engen Zeitvorgaben lösen viele Beschäftigte für sich dadurch auf, dass sie unbezahlte Überstunden machen“ berichtet Susanne Uhl, Geschäftsführerin des DGB vor Ort. „Denn bliebe die Toilette ungeputzt, der Flur dreckig, der Staub in den Ecken, ist das für viele Beschäftigte mit ihrem Arbeitsethos nicht zu vereinbaren. Ihre Arbeitgeber wissen das und nutzen das aus. So können sie billiger mitbieten, wenn sie sich auf eine Ausschreibung bewerben. Das ist Preis- und Lohndumping auf dem Rücken der Beschäftigten.“ 

Deshalb sei es enorm wichtig, in den Ausschreibungen für die Vergabe von Reinigungsaufträgen Informationen darüber einzuholen, wie viele Arbeitsstunden für eine bestimmte Fläche realistisch sind. „Hier haben auch die Arbeitgeber derjenigen Unternehmen Einfluss, die sich Reinigung einkaufen“, sagt Susanne Uhl vom DGB. Denn diese seien verpflichtet, sich zu vergewissern, dass alle Firmen auf ihrem Betriebsgelände den Arbeits- und Gesundheitsschutz umgesetzt haben. Dazu gehöre auch eine realistische Arbeitszeit. „Auch Betriebsräte haben hier Mitbestimmungs- und Kontrollrechte. Das gilt für alle Bereiche des Unternehmens, auch für ausgelagerte Dienstleistungen“, so Uhl. Und diese Rechte werden – das machten die bei den DGB-Flurgesprächen anwesenden Betriebs- und Personalräte klar – von den örtlichen Arbeitnehmervertretungen künftig noch stärker wahrgenommen.


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