Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 01.12.2020

Corona: Beschäftigte in Minijobs gehen leer aus

Im internationalen Vergleich steht der deutsche Arbeitsmarkt auch in Corona-Zeiten bisher nicht so schlecht da. Doch die Pandemie hat Spuren hinterlassen, vor allem bei den Geringfügig Beschäftigten. Bundesweit zählt die Minijobzentrale 850.000 Minijobs weniger, das ist ein Minus von 12 Prozent. In Flensburg sank ihre Zahl um 1.334 - von 9.178 im Juni 2019 auf 7.884 im Juni 2020, das waren sogar 14,6 Prozent.

 „Keine Gruppe hat die Corona-Krise härter getroffen als die 450-Euro-Jobber“, sagt DGB-Geschäftsführerin Susanne Uhl, denn sie arbeiten oft in den Branchen, die von der Krise besonders betroffen sind. So ist die Zahl der Minijobber im Gastgewerbe bundesweit um 36 Prozent gesunken. Weil sie auch keinen Anspruch auf Kurzarbeiter- oder Arbeitslosengeld haben, appelliert Susanne Uhl an die Betroffenen, unbedingt ihre Ansprüche für aufstockende Sozialleistungen bei den Jobcentern geltend zu machen. Minijobber sollten sich auf jeden Fall beraten lassen. Arbeitsagentur und Minijobzentrale sind Anlaufstellen, die Beraterinnen von Frau & Beruf können auch helfen.

In Krisenzeiten werden die Probleme dieser prekären Beschäftigungsform besonders deutlich. Als Randbelegschaften würden die Minijobs als erste abgebaut. „Vierzig Prozent haben nicht einmal einen Arbeitsvertrag, Kündigungsfristen werden nicht eingehalten und Ansprüche auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, Urlaubs- oder Weihnachtsgeld werden den Minijobbern häufig verwehrt“, kritisiert Barbara Winkler, Vorsitzende der DGB-Frauen. Das hat eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) festgestellt. Das DIW fordert ebenso wie der DGB gravierende Reformen.

 „Die Hoffnung, Minijobs könnten eine Brücke in normale sozialversicherungspflichtige Jobs sein, hat sich nicht erfüllt, sie sind vielmehr eine Sackgasse, in der überwiegend Frauen festkleben“, beklagt Barbara Winkler. Da müsse man die Frage stellen, ob diese Jobs weiterhin im Steuer- und Sozialrecht privilegiert werden dürften.

Der DGB fordert deshalb, alle Arbeitsverhältnisse ab dem ersten Euro Einkommen in die Sozialversicherung einzubeziehen. Das DIW schlägt vor, die Schwelle von 450 Euro auf 300 Euro abzusenken. Für Minijobs im Nebenverdienst sollte die Sozialversicherungspflicht wieder eingeführt werden.

 

dgb

Quelle: Daten der Minijobzenrale

In Flensburg sank ihre Zahl um 1.334 - von 9.178 im Juni 2019 auf 7.884 im Juni 2020, das waren sogar 14,6 Prozent.
dgb

dgb

Im Kreis Dithmarschen sank ihre Zahl um 1.313 - von 11.595 im Juni 2019 auf 10.282 im Juni 2020, das waren 11,4 Prozent. dgb

dgb

Im Kreis Schleswig-Flensburg sank ihre Zahl um 1.684 - von 16.054 im Juni 2019 auf 14.370 im Juni 2020, das waren 10,5 Prozent. dgb

dgb

Im Kreis Nordfriesland sank ihre Zahl um 2.013 - von 16.805 im Juni 2019 auf 14.792 im Juni 2020, das waren 11,8 Prozent. dgb

dgb

Im Kreis Steinburg sank ihre Zahl um 1.4338 - von 12.466 im Juni 2019 auf 11.028 im Juni 2020, das waren 11,6 Prozent. dgb


Nach oben
dgb
dgb