Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 003 - 04.02.2013

Sylt: Hotels und Gaststätten müssen Ausbildungsqualität verbessern

Sechs Ausbildungsplätze und nur einer besetzt – diese Erfahrung eines Sylter Hoteliers ist mit Sicherheit kein Einzelfall. Waren vor einigen Jahren noch 37 Auszubildende in den Fachklassen der Berufsschule, sind es heute nur noch 15. Der Fachkräftemangel wirkt sich deshalb auf der Ferieninsel besonders eklatant aus.

Lange Arbeitszeiten, viele unbezahlte Überstunden ohne Freizeitausgleich, Leistungsdruck, ein rauer Ton und fehlende Wertschätzung – die Bedingungen im Hotel- und Gaststättenbereich sind hart. Das wurde schon im Ausbildungsreport der DGB-Jugend Nord 2012 durch eine repräsentative Umfrage unter den Auszubildenden herausgefunden. „Die schlechten Bedingungen haben sich unter den Schulabgängern herumgesprochen, deshalb hat die Branche insgesamt Probleme, Nachwuchs zu finden“, erklärte Jeanine Weigel von der DGB-Jugend auf einer Veranstaltung des DGB-Schleswig-Holstein Nordwest auf Sylt.

Susanne Uhl, DGB-Geschäftsführerin: „Die Insel wird erst dann wieder für Arbeitnehmer attraktiv, wenn es dort angemessene Löhne, faire Arbeitsbdingungen und bezahlbare Wohnungen gibt. Dabei sind Berufe im Gastgewerbe schöne Berufe mit Herausforderungen und Perspektiven, aber die Bedingungen müssen stimmen!“

Die Studie des DGB habe deutlich gemacht, dass es nicht nur wenige „schwarze Schafe“ im Hotelgewerbe und der Gastronomie sind, die es mit der Ausbildungsqualität und den Arbeitsbedingungen nicht so ernst nehmen, sondern dass es sich hier um ein verhärtetes Strukturproblem handelt. „Wir begrüßen die Qualitätsinitiative des Sylter Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga)“, sagt Finn Petersen, von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in Schleswig-Holsteins Norden, „aber was zählt, sind Taten und spürbare Erfolge.“

Petersen möchte nicht, dass es bei einer unterschriebenen Erklärung bleibt, sondern fordert eine viel stärkere Überwachung und Kontrolle der getroffenen Absprachen: „Die Qualitätsinitiative für die Tourismuswerbung einzusetzen, reicht nicht. Dehoga und die IHK sind in der Pflicht, ständige Verstöße stärker zu ahnden und auch mal die Ausbildereignung zu entziehen, wenn sich nichts ändert“, sagt Petersen. Wegsehen und Schönreden der Probleme schade der Branche und damit dem Tourismus in der Region.

„DGB und NGG sind gerne bereit, gemeinsam mit dem Hotel- und Gaststättenverband auch Sylt-spezifische Lösungen zu entwickeln, um eine gute Ausbildung für junge Menschen sicherzustellen und damit auch werben zu können“ so Susanne Uhl.

 

 

Einige Ergebnisse aus dem DGB-Ausbildungsreport 2012:

 

·                       38 Prozent der befragten Auszubildenden bekommen keinen Ausgleich für ihre Überstunden.

·                       Rechtswidrig: 52 Prozent der minderjährigen Azubis leisten regelmäßig mehr als 40 Wochenstunden – das Jugendarbeitsschutzgesetz erlaubt nur maximal 40 Stunden pro Woche. 55 Prozent der Minderjährigen leisten regelmäßig Überstunden.

·                       30 Prozent der Azubis wurde die Teilnahme am Berufsschulunterricht schon mal verweigert.

·                       Im Vergleich zu den anderen Branchen wird unterdurchschnittlich bezahlt. In Schleswig-Holstein zahlen die Arbeitgeber ihren Azubis die zweitschlechtesten Vergütungen in den westlichen Bundesländern. Nur 2 Prozent erhalten mehr als 750 Euro -  in anderen Branchen sind es 10mal so viele Azubis mit dieser Vergütung.

·                       Arbeitsdruck: Zwei Drittel der Azubis haben manchmal, häufig oder immer Schwierigkeiten sich in ihrer Freizeit zu erholen (Bundesschnitt für die anderen Branchen: 50 Prozent).

  • Zu wenige werden trotz angeblichen Fachkräftemangel übernommen: Im 3. Ausbildungsjahr wissen nur 34 Prozent der Azubis, dass sie übernommen werden.
  • Die Chance, 6 Jahre nach Berufsabschluss vollwertig im HoGa-Gewerbe beschäftigt zu sein, liegt nur bei ca. 45 Prozent. Rund 20 Prozent sind arbeitslos, 34 Prozent prekär beschäftigt!

 

Ausbildungsreport 2012 für Schleswig-Holstein - Datenbasis: 674 landesweit befragte Auszubildende aus allen drei Ausbildungsjahren aus den Berufen Hotelfachmann/-frau, Koch/Köchin, Restaurantfachmann/-frau, Institut für Sozialpädagogische Forschung Mainz e.V., isoplan-Marktforschung GbR Saarbrücken / Berlin


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