Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 25.02.2008

Ist die Gerechtigkeit in die Gesellschaft zurückgekehrt

Die Gewerkschaft ver.di kämpft zurzeit um leistungsgerechte Bezahlung und fordert Tariferhöhungen für den öffentlichen Dienst. Der DGB-Ortsverband Pinneberg wollte grundsätzlicher diskutieren und wissen, ob die Gerechtigkeitsfrage in die Gesellschaft zurückgekehrt sei. Für die Antwort hatte der DGB den katholischen Sozialethiker und Wirtschaftswissenschaftler Professor Dr. Friedhelm Hengsbach eingeladen. Der langjährige Leiter des Oswald-von-Nell-Breuning-Instituts in Frankfurt gilt als prominenter Kritiker der Agenda 2010 und einer Politik der sozialen Demontage.

„Die soziale Gerechtigkeit wird weniger“, erklärte Hengsbach vor zahlreichem Publikum im Pinneberger Ratssaal. Heute herrscht die Meinung vor, dass unterschiedliche Talente und Begabungen sich auf dem Markt behaupten müssen und die daraus entstehenden Vermögens- und Einkommensunterschiede gerecht sind. „Damit wird aber über soziale und gesellschaftliche Unterschiede hinweggesehen, die eine Chancengleichheit verhindern“, so Hengsbach. Die großen Lebensrisiken wie Arbeitslosigkeit, Altersarmut, Krankheit oder Pflegebedürftigkeit sind heute ungleich verteilt. Vorhandene gesellschaftliche Barrieren müssen aber nach Auffassung von Hengsbach überwindbar sein und Benachteiligte besonders gefördert werden, um ihre Schwächen zu korrigieren. „Gerechtigkeit“, so Hengsbach, „ist die uralte Frage der gerechten Verteilung zwischen Arm und Reich.

Als Schlüssel zur Verbesserung der Lebenslage breiter Bevölkerungsschichten bezeichnete der Sozialethiker deren Beteiligung an der Erwerbsarbeit. Neue Märkte lassen sich nach seiner Darstellung jedoch nicht mit Industriewaren für den Export erschließen, sondern mit der Nachfrage nach personennahen Diensten in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Kultur. Hengsbach: Die drei Formen Erwerbstätigkeit, private Erziehungsarbeit und ziviles Engagement müssen auf alle erwerbsfähig Männer und Frauen gleichberechtigt und fair verteilt werden. „Davon sind wir aber noch weit entfernt“, so Hengsbach. Die Arbeitslosenzahlen der Agentur Elmshorn machen das deutlich. 17.200 Männer und Frauen sind arbeitslos gemeldet, davon 10.690 im Bezug von Arbeitslosengeld II.

Dennoch gab Professor Hengsbach den TeilnehmerInnen Hoffnung mit auf den Weg. "Der Zeitgeist ändert sich, Ungerechtigkeit wird offen kritisiert, der Mindestlohn findet breiten Zuspruch und die Politik nimmt mit der Verlängerung des Arbeitslosengeld II-Bezuges für Ältere Änderungen an der Agenda 2010 vor“.



 

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