Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 22.08.2007

DGB: Dem Fachkräftemangel systematisch begegnen - Studiengebühren abschaffen.

DGB: Dem Fachkräftemangel systematisch begegnen - Studiengebühren abschaffen.Bei der Bewältigung des absehbaren Fachkräftemangels auf Grund der demografischen Entwicklung kommt es jetzt vorrangig auf langfristige Antworten an, erklärte der Vorsitzende der DGB-Region Schleswig-Holstein Nord, Helmut Hartmann, am Dienstag dieser Woche in einer ersten Reaktion auf den Streit in der Großen Koalition des Bundes über Pläne, die Zuwanderung ausländischer Arbeitskräfte in den Arbeitsmarkt vorzeitig zu erleichtern.
Hartmann: "Mit Aktionismus ist niemandem geholfen. Eine weitere vorsichtige Öffnung des Arbeitsmarkts für Fachkräfte aus dem Ausland ist sicher sinnvoll. Im Rahmen der Novellierung des Aufenthaltsgesetzes Mitte des Jahres hätte die Bundesregierung dazu ausreichend Gelegenheit gehabt. Den Arbeitsmarkt jedoch kurzfristig zu öffnen und sofort die Beschränkungen für die Beschäftigung osteuropäischer Arbeitskräfte abzuschaffen ist der falsche Weg. Parallel zur Herstellung der Arbeitnehmerfreizügigkeit müssen auch soziale Mindeststandards und ausreichende Bildungsmöglichkeiten geschaffen werden. Genau dies ist aber bisher nicht in Sicht."
Neben einem deutlich größeren Engagement der Unternehmen in der betrieblichen Aus- und Weiterbildung sind nach Auffassung des DGB-Regionsvorsitzenden auch das Land und die Hochschulen in der Pflicht, vorhandene Potenziale auszuschöpfen und dem Mangel an qualifizierten Kräften im Technikbereich systematisch zu begegnen.
Eine Absage erteilte er in diesem Zusammenhang erneut allen Überlegungen, auch in Schleswig-Holstein Studiengebühren einzuführen. Hartmann: "Studiengebühren sind absolut kontraproduktiv, wenn man Akademiker auf dem Arbeitsmarkt braucht. Das Bezahlstudium schreckt immer mehr Abiturientinnen und Abiturienten von dem Besuch einer Uni ab. Die suchen dann auf dem Lehrstellenmarkt nach Alternativen und verdrängen noch stärker als bisher schon Haupt- und Realschüler aus der betrieblichen Ausbildung, die dann noch schlechtere Chancen auf einen qualifizierten Berufseinstieg haben."
Der DGB drängt nach Mitteilung von Hartmann darauf, die Studiengebühren überall wieder abzuschaffen und Hochschulen sowie Universitäten zu öffnen, um auch beruflich erfahrenen Menschen ohne formale Hochschulreife ein Studium zu ermöglichen.
Außerdem müssten die Potenziale von Frauen und Älteren endlich genutzt werden. Hartmann: "Frauen brauchen bessere Chancen und mehr Mut, um in technischen Berufen aktiv zu werden. Nur elf Prozent aller Ingenieure sind weiblich, aber der Anteil der Frauen unter allen Arbeitslosen beträgt 25 Prozent! Auch viele ältere Fachkräfte liegen brach: 42 Prozent der arbeitslosen Ingenieure sind älter als 50 Jahre."
"Neben verbesserten Studienbedingungen wären also auch spezifische Qualifizierungsmaßnahmen hilfreich, um dem Fachkräftemangel im technischen Bereich beizukommen", betonte der DGB-Regionsvorsitzende.
Hartmann weiter: "Der DGB warnt bereits seit Jahren vor einem drohenden Fachkräftemangel, der sich besonders bei anziehender Konjunktur auswirkt. Viele Betriebe bilden immer weniger aus und bauten in den letzten Jahren zudem qualifiziertes Personal ab. Vor allem Ältere wurden mit hohen Kosten in den (Vor)Ruhestand befördert; sie stehen jetzt nicht mehr dem Arbeitsmarkt zur Verfügung."
Der DGB-Regionsvorsitzende abschließend: "Die Unternehmen können nicht erwarten, dass der Arbeitsmarkt von alleine neue Fachkräfte generiert. Sie sollten umdenken und auch Bewerber akzeptieren, die vielleicht nicht zu 100% auf die Stelle passen. Es braucht schon eigene Anstrengungen, neue Beschäftigte einzuarbeiten und auch Menschen eine Chance zu geben, die nur Teilqualifikationen mitbringen."

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