Deutscher Gewerkschaftsbund

08.05.2024

8. Mai Tag der Befreiung

Joachim Sopha

Joachim Sopha, Vors. Stadtverband Flensburg DGB

Anbei die Rede von Joachim Sopha zum Gedenken auf dem Friedenshügel:

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Friedensfreunde,

liebe Leute,

wer in einer Frühlingsnacht im Garten, auf dem Balkon oder einfach draußen ist kann etwas erleben, was am Tage nicht wahrzunehmen ist: STILLE.

Kein Vogelzwitschern, keine Autos, nichts, was Lärm verursacht. Alles schläft oder ruht.

Am Tage ist dies anders. Ein mehr oder weniger gleichmäßiger Geräuschpegel begleitet uns. Wir nehmen ihn so richtig nicht wahr. Er ist da und vielleicht bemerken wir es, wenn wir das Fenster öffnen.

Warum ich dies erzähle?

Weil über 500 Menschen durch gewalttätige Konflikte sterben, täglich.

Wir arbeiten, leben mit der Familie und Freunden und unser Handeln wird dadurch bestimmt. Wir denken nicht an Krieg und Gewalt.

Nur wer das Fenster mal öffnet und sei es durch die Tagesschau, bekommt etwas von der Gewalt auf der Welt mit.

Und jeder Mensch der täglich sein Leben lässt, hinterlässt Familie, Angehörige und Freunde. Das Leid vervielfacht sich.

Aber was sind ca. 500 Tote bei täglich 2700 Menschen, die in Deutschland täglich versterben?

Die Antwort ist einfach: Zu viele!

Am Anfang steht die Furcht vor dem Ende. Mit der Geburt des Menschen kommt auch sein Tod auf die Welt.

Wir sind lebenslang damit beschäftigt am Leben zu bleiben.

Den keiner ist unsterblich und jeder verwundbar.

Die allgemeine Furcht vor einem gewaltsamen Tod lässt die ebenso allgemeine Sehnsucht nach Sicherheit so groß werden, dass sie schließlich zur Etablierung einer allgemeinen Macht führt, der alle gehorchen, weil sie jeden vor jedem beschützt. Das sind die Gründe für die Entstehung staatlicher Macht und zugleich deren politische und moralische Rechtfertigung.

Damit diese Macht jeden vor jedem beschützen kann, muss sie, ob nun die eines Königs in der Monarchie oder die eines Parlaments in einer Demokratie, unumschränkt und unteilbar sein. Erst dann, und nur dann, wenn diese Macht die körperliche Sicherheit der Einzelnen nicht mehr gewährleisten kann, haben die Menschen das Recht, sich zu widersetzen und auf eigene Faust um ihr Leben zu kämpfen. Dann hört das Gemeinwesen auf, der Staat stirbt, und es beginnt wieder der Krieg der Selbsterhaltung aller gegen alle. Es gibt keine Zivilisation, kein Recht, keine Wissenschaft und keine Kunst mehr, „und es herrscht, was das Schlimmste von allem ist, beständige Furcht und Gefahr eines gewaltsamen Todes – das menschliche Leben ist einsam, armselig, ekelhaft, tierisch und kurz.“ So Thomas Hobbes.

Mit jedem Tod geht ein Leben zu Ende und eine Welt unter.

Die Menschen tun sich daher nicht etwa zusammen, weil sie von Natur aus „politische Tiere“ sind, wie Aristoteles behauptet hatte, sondern weil sie von Todesfurcht dazu genötigt werden, sich gemeinsam einer über alle herrschende souveräne Macht zu unterwerfen.

Es ist nicht die Sterblichkeit als solche, sondern die Furcht vor einem gewaltsamen Tod, welche die Menschen dazu veranlasst, ein Gemeinwesen zu gründen.

Es geht um nichts weniger als um den Tausch unbeschränkter Freiheit ohne Sicherheit gegen beschränkte Freiheit bei beschränkter Sicherheit.

Und diese Sicherheit betrifft alle!

Egal welche Religion, egal welche sexuelle Orientierung der einzelne Bürger für sich wählt.

Wenn daher Menschen die Unversehrtheit anderen Menschen absprechen, dann ist es ein Angriff auf die Sicherheit und Freiheit aller Bürger.

Ob heute oder zur Zeit des Nationalsozialismus, wer meint bestimmt Gruppen hätten weniger Rechte wie andere, egal aus welchem Grund, zerstört die Grundlage für ein friedliches Gemeinwesen und wer meint die Corona-Maßnahmen wären ein solcher Fall, der irrt. 

Wir sind heute hier uns zu erinnern.

Den Millionen Opfern zu gedenken, damit sie uns eine Mahnung sind. Nicht wegzuschauen, sondern Stellung zu beziehen.

Gegen Aufrüstung, gegen Krieg und für ein friedliches Miteinander.

Wir brauchen ein internationales Gemeinwesen das Freiheit und Sicherheit schafft. Großartige Idee werden viele sagen, sollte wir doch eigentlich haben mit der UNO.

Denn schon nach dem Ersten Weltkrieg mit rund 20 Millionen Toten gründete die internationale Staatengemeinschaft den Völkerbund mit einem einzigen Ziel: einen zweiten Weltkrieg zu verhindern. Der Völkerbund versagte. Rund 20 Jahre später begannen die Vorbereitungen für den Zweiten Weltkrieg, der über 50 Millionen Menschenleben kostete. Die Organisation der Vereinten Nationen (United Nations Organisation) wurde ins Leben gerufen, um einen dritten Weltkrieg zu verhindern. 

Ist ihr das bislang gelungen? Ja, insofern, als bisher niemand den dritten Weltkrieg ausgerufen hat. Nein, insofern, als heute mehr Kriege auf der Welt toben als je zuvor. Die weltweite Zahl der militärischen Konflikte steigt seit Jahren stetig an, ebenso wie die Zahl der Opfer und der Flüchtlinge, die den Kriegen entkommen und ihr Leben retten wollen.

Wie kompliziert es ist Kriege zu beenden und lehren aus diesen beiden Weltkriegen zu ziehen, wissen alle die heute hier sind.

Und da der ESC (Eurovision Song Contest) ja gerade wieder stattfindet und nahm die TAZ dies zum Anlass mit Nicole ein Interview zu führen.

Die Älteren erinnern sich: Ein bisschen Frieden.

Nicole sagt in dem Interview:

„Ach, ich wünsche mir einfach, dass es ja mehr als ein bisschen Frieden wird, dass die Menschen wirklich zur Vernunft kommen und sich fragen: Warum macht man das denn? Ich finde keine Antwort auf das Warum. Warum schickt man Menschen, junge Männer, in den Krieg mit einer hohen Wahrscheinlichkeit, dass sie nicht zurückkommen? Dieser Mann …

… Wladimir Putin …

… der sitzt im Trockenen. Der zieht sich keine Uniform an. Alle, die sowas entscheiden, waren nie dabei. Nie hautnah. Ihnen ist nie ins Bein geschossen worden. Oder haben ein Auge verloren. Es ist einfach zu sagen: Geht in den Krieg, ich sitze ja gut. Da denke ich immer an Reinhard Mey. Der hat damals ein Lied geschrieben: „Nein, meine Söhne geb’ ich nicht“. Und das fand ich genial.

Bei Reinhard Mey heißt es:

Ich denk, ich schreib euch besser schon beizeiten
Und sag euch heute schon endgültig ab
Ihr braucht nicht lange Listen auszubreiten
Um zu sehen, dass ich auch zwei Söhne hab!

Ich lieb die beiden, das will ich euch sagen
Mehr als mein Leben, als mein Augenlicht
Und die, die werden keine Waffen tragen
Nein, meine Söhne geb ich nicht
Nein, meine Söhne geb ich nicht

Ich habe sie die Achtung vor dem Leben
Vor jeder Kreatur als höchsten Wert
Ich habe sie Erbarmen und Vergeben
Und, wo immer es ging, lieben gelehrt!

Nun werdet ihr sie nicht mit Hass verderben
Keine Ziele und keine Ehre, keine Pflicht
Sind′s wert, dafür zu töten und zu sterben
Nein, meine Söhne geb ich nicht
Nein, meine Söhne geb' ich nicht

Liebe Kolleginnen und Kollegen wir wollen nicht ein bisschen Frieden, wir wollen

Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!

Ludwig Hecker

Ludwig Hecker, VVN BdA DGB

Gedenkstätte auf dem Friedenshügel

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